SoPHIA

Im Rahmen des Projekts SoPHIA soll ein ganzheitliches Modell zur Folgenabschätzung für historische, ökologische und kulturelle Stätten in Europa erarbeitet werden. Mit dem Begriff ganzheitlich werden die wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und kulturellen Dimensionen von Kulturerbe und Interventionen ins Kulturerbe bezeichnet.

Zu diesem Zweck bringt die soziale Plattform des Projekts Forschungsgemeinschaften, Praktiker*innen, öffentliche und private Interessengruppen sowie politische Entscheidungsträger*innen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zusammen.

Die Art und Weise, wie kulturelles Erbe erhalten und aufgewertet wird, ist ein wesentlicher Faktor für die Fragen der lokalen und nationalen Identität, auch im europäischen Kontext und Europas Beziehungen in der Welt. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt folgende Zielsetzungen:

  • Analyse der Forschungsliteratur, der politischen Programme und Praktiken hinsichtlich zentraler Themen, vorhandene Lücken und Herausforderungen.
  • Analyse und Kartierung von Good Practices in Bezug auf Folgenabschätzung und Qualität von Interventionen ins Kulturerbe unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und kulturellen Dimensionen.
  • Entwurf und Test eines Folgenabschätzungsmodell in mehreren europäischen Kulturerbestätten unterschiedlicher Art, um es anzupassen und ein Höchstmaß an Leistung oder Effektivität sicherzustellen.
  • Erstellen eines Toolkits für Praktiker*innen und andere Interessengruppen, einschließlich Empfehlungen für die Folgenabschätzung und zugehörige Qualitätsstandards.
  • Formulierung von Empfehlungen und Erstellung von Leitlinien als Grundlage für einen EU-Aktionsplan in Bezug auf 1) operationelle Programme im Zusammenhang mit Interventionen ins kulturelle Erbe, Innovation und gezielter Forschung und 2) öffentliche Maßnahmen zu hochwertigen Interventionen im kulturellen Erbe in Europa.
  • Einbindung der europäischen Stakeholder*innen im Bereich des Kulturerbes und die breite Öffentlichkeit in alle Phasen des gesamten Projekts.

SoPHIA wird von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon 2020“ finanziert und wird von Anfang 2020 bis Ende 2021 zusammen mit folgenden Partnerorgansiationen umgesetzt: Universitá degli Studi Roma 3 – UNIROMA3 (Hauptpartner), Interarts, Stichting European Museum Academy – EMA, Nationale Technische Universität Athen – NTUA, Dún Laoghaire Institut für Kunst, Design & Technologie – IADT und Institut für Entwicklung und internationale Beziehungen – IRMO.


Bild: „Ancient Roman amphitheatre in Petronell-Carnuntum, Austria“ von Pudelek (Marcin Szala). Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, zugeschnitten vom Original

Westliche Kunst

Sie schlagen die Kunst und meinen Demokratie und Menschenrechte

Vor ein paar Tagen hat Hans Rauscher in seinem Einserkastl im Standard darüber berichtet, dass die Yale University drauf und dran ist, eine beliebte Einführung in die Kunst der Moderne zu streichen. Als Grund wurde “the overwhelming whiteness, maleness, and straightness of the artists who comprise the Western canon” genannt. Dementgegen soll künftig in der Auseinandersetzung mit Kunst ein stärkerer Fokus auf “questions of gender, class and race” sowie “the arts involvement with Western capitalism” gelegt werden.

Und also bricht ein weiterer Puzzle-Stein aus einem europäischen Selbstverständnis, einen spezifischen Kunstbegriff in die Welt gebracht zu haben, der zusammen mit anderen aufklärerischen Errungenschaften ein Versatzstück einer globalen Zivilisation und damit von universeller Bedeutung ist.

Der Widerspruch scheint unauflöslich: Ja, es waren überwiegend weiße, europäische – mit einigen Ausnahmen – heterosexuelle – Männer, die diese Errungenschaft einer europäischen Moderne in die Welt gesetzt haben. Die neue Generation der Zensor*innen vergisst dabei allzuleicht, dass es – innerhalb und zunehmend auch außerhalb des Kontinents – die jeweils nächsten Künstler*innen-Generationen und ihre Avantgarden waren, die diese Belegschaft aus Altvorderen nicht nur verehrt sondern auch heftig bekämpft haben. Damit muss jetzt Schluss sein! Kunst soll künftig ausschließlich getragen sein von einem identitätsverliebten, streng regional abgrenzbaren Antikolonialismus, der sich das Recht nimmt, das, was da an künstlerischen Äußerungen von den falschen Leuten in all den Jahrhunderten in Europa produziert worden ist, auf dem Misthaufen der Geschichte zu entsorgen.

Da kann man doch gleich noch einen Schritt weitergehen: Warum nicht auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung oder die Allgemeine Deklaration der Menschenrechte verabschieden? Sie wurden von demselben alteuropäischen  Phänotypus verfasst und umgesetzt. Warum nicht gleich das gesamte aufklärerische Gedankengut, das als unverbrüchliche Wertvorstellungen, die von Europa ausgegangen (ohne deshalb als spezifisch europäische vereinnahmt werden zu können), universelle Gültigkeit beansprucht?……….

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Bild: Pixabay: „Yale University Landschaft“David Mark/tpsdave. CC BY-NC-SA 2.0.

Kulturpolitik und Publikum

Datum: 30. April 2020, ganztägig

Ort: Universität für Angewandte Kunst Wien: Auditorium Vordere Zollamtstraße 7

Konzept & Moderation: Michael Wimmer

Information & Anmeldung: info(a)uni-ak.ac.at

 

Nikolaus Harnoncourt meinte einmal, nicht nur die Akteur*innen auf der Bühne sondern auch die Zuhörenden seien „Musiker*innen“. Erst das gleichrangige Zusammenwirken zwischen den Ausübenden und den Rezipient*innen erfülle das, was wir Kunst nennen.

Die Republik Österreich feierte 2018 ihr hundertjähriges Bestehen und damit den Übergang von einer feudalen zu einer demokratischen Verfassung. Die zuletzt von Stefan Heidenreich und Markus Resch in der Zeit angeheizte Diskussion in der Zeit zur „Demokratisierung der Kunst“ deutet darauf hin, dass der Kunstbetrieb diesen politischen Transformationsprozess bis heute nur sehr bedingt antizipiert hat. Ungebrochen entziehen sich viele, vor allem öffentlich getragene Kunsteinrichtungen den Bedürfnissen ihrer Publika nach Mitwirkung und Mitgestaltung und sehen dadurch die mühsam errungene Autonomie der Kunst gefährdet. Dazu kommt der wachsende Einfluss einer Marktlogik, die zuletzt Wolfgang Ullrich mit seiner Studie zur „Siegerkunst“ auf den Punkt gebracht hat sowie populistische Zuschreibungen, die den Kunstbetrieb ungebrochen als Ort des sozialen Distinktionsgewinns für Krisengewinner brandmarken.

Hanno Rauterberg sprach zuletzt von einem „Teufelskreis“, den es zu durchschlagen gälte, um auf diese Weise der Kunst den Nimbus des Elitären zu nehmen und sie dabei dennoch nicht der Verbeliebigung durch Quotendruck anheimzustellen.

Erstes Anliegen der diesjährigen europäischen Konferenz zu aktuellen kulturpolitischen Fragen ist es, ein Bewusstsein  zu schaffen für die wachsende Bedeutung der Publika für die Kulturpolitik. Dies zeigt sich ebenso in einem geänderten Verhältnis von Kunstangebot und Nachfrage wie – diese Änderungen antizipierend – neuen strategischen Entwicklungen innerhalb des Kunstbetriebs. Dabei gilt es, mit einiger Verzögerung auch in diesem Politikfeld einen demokratiepolitischen Anspruch einzulösen, der auch den nicht unmittelbar Kunst Produzierenden aktive Mitwirkungs- und Mitgestaltungsrechte einräumt, denen der Kunstbetrieb zu entsprechen hat, will er seine gesellschaftliche Relevanz nicht verlieren.

Auf der Suche nach einer Neubewertung des Publikumsaspekts für deine demokratisch legitimierte Kulturpolitik sollen nicht nur grundlegende kunsttheoretische Überlegungen angestellt werden sondern diese in ein Verhältnis gebracht werden zu Praxisformen des Kunstbetriebs, die ein neues Verhältnis zu seinem Publikum suchen. Dazu gehört aber auch die Beschäftigung mit Megatrends wie Ökonomisierung, Digitalisierung und Mediatisierung, Internationalisierung, das Wiederaufflammen ethnischer Konflikte und damit verbundene Identitätskonzepte, Migration und Fluchtbewegungen sowie die Verschärfung sozialer Ungleichheit und damit verbundene Konsequenzen für das kulturelle Verhalten und damit für die Entwicklung neuer Publikumsstrategien.

Verknüpfung von Theorie und Praxis

Ausgehend von europäischen Initiativen nimmt die Veranstaltung Bezug auf die aktuellen, empirisch nachvollziehbaren Datenlagen im Bereich der Publikumsentwicklung und stellt Initiativen vor, die Kunsteinrichtungen dabei unterstützen, ihre kommunikativen Kompetenzen mit dem Publikum weiter zu entwickeln und so die Relevanz von Kunst für ein interessiertes bzw. interessierbares Publikum zu erhöhen.

Dazu dienen sowohl Ergebnisse europäische Projekte zu Audience Development wie ausgewählte Studien aus vorrangig nationalstaatlicher Sicht. Dazu kommen einzelne Künstler*innen-Positionen, die sich auf die Suche nach einem neuen Verhältnis zu ihren Publika gemacht haben.

Im Zentrum der Veranstaltung stehen die Vorstellung und Diskussion ausgewählter Praxisbeispiele. Dabei wird der Frage nach den Beziehungsverhältnissen zwischen  Künstler*innen und Publikum in einem demokratischen Zeitalter nachgegangen. Dies beinhaltet eine Reihe von Methoden die über jeweils eigene konzeptive Grundlagen verfügen und durchaus unterschiedliche Absichten verfolgen. Sie reichen von Kulturpädagogik, kreativer, ästhetischer, kultureller oder künstlerischer Bildung, Kunst- und Kulturvermittlung bis zu neuen Methoden des Audience Development.

Haltegriffe für eine rezipientenorientierte Kulturpolitik zwischen Markt und Staat

In einem abschließenden Plenum sollen mit führenden Vertreter*innen des Kunstbetriebes aus unterschiedlichen künstlerischen Sparten neue Möglichkeiten ausgelotet werden, wie eine konzeptionelle Weiterentwicklung des Kulturbetriebs im Zusammenwirken mit dem Publikum gelingen kann. Ziel ist die Entwicklung eines neuen Sets an kulturpolitischen Maßnahmen, die sich in einer ebenso demokratisch wie marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaft wissen und die mithelfen können, den Widerspruch zwischen autonomen Kunstansprüchen und den Erwartungshaltungen des Publikums aufzulösen.

 


Bild: © die Angewandte – Facebook

In den Widersprüchen einer verbeamteten Jugendarbeit: Danke an die jungen Menschen, die mir eine neue Welt eröffnet haben

Teil V einer kleinen autobiographischen Revue

Nach den ebenso glückhaften wie erschöpfenden Erfahrungen in der „commune“ wollte sich die sj für mein Engagement bedanken. Sie ermöglichte es mir, an einer vom Bundesjugendring organisierten Reise zur Verbesserung der arabisch-israelischen Beziehungen teilzunehmen. Also fand ich mich mit einer Reihe von österreichischen Jungpolitiker*innen in Ägypten wieder. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir signifikant dazu beigetragen hätten, den Dialog zwischen den verfeindeten Gruppen im Nahen Osten nachhaltig zu verbessern. Immerhin wussten wir uns im Einvernehmen der damaligen Außenpolitik Bruno Kreiskys, der – selbst jüdischer Abstammung – viel dazu beigetragen hat, dass Standing der Palästinenser auf der Weltbühne zu verbessern und selbst nicht davor zurückschreckt ist, mit dem „Terrorchef“ Jassir Arafat ins Gespräch zu kommen.

Die Grenzen meiner eigenen Dialogfähigkeit zeigten sich bald ganz konkret, als ich zwei ÖVP-Funktionären als Zimmergenosse zugewiesen wurde. Ich konnte mich erfolgreich dagegen wehren. Noch spannender wurde es, als der ägyptische Fahrer des Kleinbusses, der uns nach Assuan brachte, eine Magenkolik erlitt und sich vor Schmerzen auf seinem Sitz krümmte. Statt ihm übernahm ich das Steuer und brachte mit großem Herzklopfen den Fahrer ins Spital und die Reisegruppe durch das Verkehrschaos zurück ins Kairoer Hotel. Berührt hat mich auch eine Liebesgeschichte, die sich zwischen einem FPÖ-Funktionär und einer SPÖlerin entspann. Am Ende der Reise verabschiedeten sie sich „eindringlich“ im Inneren des Wiener Flughafens und eilten dann – jeder/jede für sich – zu ihren wartenden Angehörigen. Was wohl aus ihnen geworden ist?

Die Berufsjugendlichen als abschreckendes Beispiel

Zurück aus Ägypten erhielt ich schon bald die Einladung des Vereins Wiener Jugendzentren, in einem ihrer Häuser als Jugendbetreuer tätig zu werden. Zuerst sollte ich im „Fünfer-Haus“ in der Nähe des Matzleinsdorfer Platzes die Arbeitsweise des städtischen Vereins besser kennen lernen. Und ich wurde das erste Mal vertraut mit dem Typus des „Berufsjugendlichen“, damit sind Menschen nahe der Pensionsgrenze gemeint, die sich ein Leben lang mit Jugendarbeit beschäftigt haben. Darüber gerieten sie in einen bürokratischen Modus, der ganz viel mit ihrer und ganz wenig mit der Lebensrealität der Jugendlichen zu tun hatte. Und da waren noch die beiden Zivildiener, einer davon Bernhard Rabitsch, der als ehemaliger Musiker u.a. bei Drahdiwaberl oder Falco bis heute die Wiener Szene aufmischt; ein seltsamer Gegenpol zur Rigidität des Betriebs, auch wenn sie mit ihrem musikalischen Vorlieben nicht eben den Geschmack der am Mainstream geschulten Margarethener Jugendlichen trafen…..

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Die Kunst im Wohlfühltaumel

Frage an Thomas Hampson: Macht Kunst die Welt besser, oder macht Politik die Welt besser?

Antwort: Menschen machen die Welt besser

 

In letzter Zeit mehren sich Beiträge, die die Mitwirkung an kulturellen Aktivitäten wahlweise mit einer Verbesserung des individuellen Wohlbefindens oder der kollektiven sozialen Verfasstheit (Integration, Kohäsion,…) begründen wollen.

Bereits 2013 waren die europäischen Kulturminister zu einem Treffen in Moskau zusammengekommen, um Belege dafür zu sammeln, dass kulturelle Teilhabe notwendig zu einer Vertiefung demokratischer Errungenschaften führen müsse. Während aber die damalige sozialdemokratische österreichische Kulturministerin Claudia Schmied noch auf den Unterschied zwischen Arm und Reich hinwies, dem es wegen des dadurch verursachten ungleichen Zugangs zu Kunst und Kultur mit politischen Mitteln zu begegnen gälte, beauftragte der Europarat den deutschen Soziologen Helmut Anheier von der Hertie School of Governance, anhand eines Indicator Frameworks einen thematischen Bericht zum Verhältnis von kultureller Partizipation und sozialer Kohäsion zu erstellen An den Ergebnissen sollten sich, so die Kulturminister*innen, künftige kulturpolitische Maßnahmen orientieren. Die kulturpolitischen Wirkungen des 2016 veröffentlichen Berichts waren enden wollend. Immerhin veröffentlichte 2019 eine EU-Expert*innen-Gruppe zum Thema „Kultur und soziale Inklusion“ einer Reihe an Good-Practices samt Handlungsempfehlungen. Dazu verabschiedete die Weltgesundheitsorganisation WHO ebenfalls 2019 einen ersten Weltbericht zu „Kunst und Gesundheit“, der einen kausalen Zusammenhang zwischen der Beschäftigung mit Kunst und körperlichem und geistigen Wohlbefinden plausibel machen möchte.

Als extern Mitwirkender an diesem Bericht, erschienen mir die dadurch geweckten Erwartungen ziemlich überzogen, darüber hinaus (kultur-)politisch gefährlich. So verständlich mir der politische Wunsch erschien, nach den ernüchternden Befunden im Bereich der Wirtschaftspolitik („Cultural and Creative Industries als neue Wachstumsmotoren in Europa) nunmehr die Sozialpolitik als neues Legitimationsangebot in Stellung zu bringen, so wenig hatten diese affirmativen Behauptungen mit den gesellschaftlichen Realitäten zu tun. In dieser steht eine wachsende Kunstproduktion (samt damit verbundenen Konkurrenz- und Verdrängungsverhältnissen) eine mindestens ebenso wachsende soziale Verungleichung gegen. Also versuchte ich, ein Minderheitenvotum zu formulieren, das aber keinen Eingang in das offizielle Dokument finden sollte.

Mozart, Schubert und Presley zum Trotz  – Je mehr Kunst, umso länger das Leben

Jetzt gibt es also neue Anläufe. So erschien in der Wiener Zeitung jüngst ein Bericht über Studienergebnisse, wonach der Umgang mit Kunst zu einem längeren Leben führen würde. Wissenschafter*innen des University College London seien zur Erkenntnis gekommen, dass je häufiger Menschen mit Kunst in Kontakt treten würden, umso weniger käme es zu einem frühzeitigen Tod. Schön für alle, die daran glauben, könnte man meinen – und es ansonsten dabei belassen. All die Künster*innen, die früh gestorben sind, wird es egal sein.

Die Geschichte geht aber mittlerweile weiter: In Finnland wurde im Rahmen einer interministeriellen Zusammenarbeit Kunst nicht nur als Mittel zur Lebensverlängerung sondern zur Verbesserung der Lebensqualität in Anschlag gebracht. Kunst solle fürderhin als vorbeugende Maßnahme der Vorsorge dienen, als Teil der Sozialarbeit sowie als Teil des Gesundheitswesens und der Rehabilitation. Und auch in Großbritannien gibt es Bestrebungen, „Kunst auf Verschreibung“ zu verordnen. Kein Wunder also, dass sich vor allem bei der kulturellen Standesvertretung der Versuchung nachzugeben, Kultur künftig auch in Rezeptform unter die Leute zu bringen und so neue Einnahmequellen zu lukrieren……

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Respekt – gemeinsam stärker!

„Respekt – gemeinsam stärker!“ ist ein Kooperationsprojekt, das von der Stadt Wien gefördert und vom Verein Wiener Jugendzentren in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion umgesetzt wird. Das Ziel des Präventionsprojektes ist es, zehn Wiener Schulen (schwerpunktmäßig Neue Mittelschulen) bei der Bewältigung sozialer Herausforderungen wie Mobbing, Abwertung aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Herkunft, Konflikten, Spannungen im Klassenzimmer etc. zu unterstützen. Dabei sollen nicht punktuelle Interventionen gesetzt, sondern Schulen befähigt werden, sich ganzheitlich, systematisch und mit einem auf Nachhaltigkeit abzielenden Ansatz mit den Herausforderungen im Schulalltag auseinanderzusetzen.

Das Projekt zielt darauf ab, angst- und gewaltfreie Schulen zu etablieren, Schüler*innen zu stärken, Lehrer*innen zu entlasten und Eltern aktiv einzubinden. Um diese Ziele zu erreichen und die Schulkultur nachhaltig zu verändern, werden diverse Rahmenbedingungen geschaffen.

Die begleitende Evaluation legt den Fokus auf Projektaufbau und -struktur, laufende Prozesse und Transfermöglichkeiten sowie Erarbeitung von Empfehlungen zur Optimierung.

Methode

Die Evaluation, die auf der Akteur-Netzwerk-Theorie basiert, setzt auf einen Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden. Mittels Interviews mit Projektverantwortlichen, Schulleiter*innen, Eltern, Kooperationspartner*innen, Beobachtungen, Fokusgruppen mit Schüler*innen, einer Online-Umfrage mit Lehrer*innen und Dokumentenanalysen stellen wir sicher, dass alle Evaluationsfragen beantwortet werden können.

Weiterbildungskurs „International kooperieren im Bereich des Lebenslangen Lernens, aber wie? – Ausgebucht

EDUCULT bietet am 28./29. Februar 2020 einen zweitägigen kostenlosen Weiterbildungskurs für Projektmanager*innen /-mitarbeiter*innen und Leitungspersonen von zivilgesellschaftlichen Organisationen an, die im Bereich des Lebenslangen Lernens tätig sind und an internationalen Kooperationen interessiert sind. Mit diesem Kurs möchte EDUCULT den Teilnehmer*innen vermitteln, wie internationale Kooperationen erfolgreich umgesetzt werden können.

Der Kurs findet im Rahmen des internationalen Entwicklungsprojekts „First-time international project realisers support network“ statt, das von fünf Organisationen der Zivilgesellschaft aus fünf europäischen Ländern durchgeführt wird (Polen, Italien, Ungarn, Dänemark und Österreich). Das Hauptziel des Projekts ist es,  die internationale partnerschaftliche Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Erwachsenenbildung unterstützen bzw. anbieten, zu stärken und ihnen so zu mehr Innovationskraft zu verhelfen.

Zielgruppe dieses Kurses sind Projektmanager*innen/ -mitarbeiter*innen mit organisatorischer Funktion und Leitungspersonen des zivilgesellschaftlichen Erwachsenenbildungssektors mit wenig bis keiner Erfahrung  im internationalen Projektmanagement, die eine internationale Zusammenarbeit anstreben, insbesondere aus

  • Vereinen,
  • Stiftungen,
  • Volkshochschulen,
  • Sozialgenossenschaften und
  • Sozialunternehmen.

Die Lehrinhalte umfassen u.a.:

  • Vorstellung von „First-time international project realisers support network“
  • Einführung in internationales Projektmanagement
  • Überblick über die EU-Förderprogramme
  • Einführung in Mobilitätsprojekte
  • Erfolgsindikatoren eines internationalen Projekts
  • Kompetenzen und Herausforderungen für internationale Projektmanager*innen
  • Internationaler Netzwerkaufbau
  • Antragstellung und Projektdesign mit Projektpartner*innen
  • Risiko- und Konfliktmanagement in der interkulturellen Zusammenarbeit
  • Evaluation und Monitoring von internationalen Projekten

Nach einem Kennenlernen der Teilnehmer*innen und der Organisator*innen wird der Kurs in Präsentationen von Lektor*innen, interaktive Workshops und Kurzpräsentationen mit den Teilnehmer*innen aufgeteilt sein. Basierend auf zwei Studien zu „Erfolgen und Herausforderungen“ und „Schlüsselkompetenzen und Unterstützungsbedarfe“ in internationalen Projekten soll ein Erfahrungs- und Informationsaustausch stattfinden und wichtige Kompetenzen für internationale Projektmanager*innen/ -mitarbeiter*innen mit organisatorischer Funktion und Leitungspersonen des zivilgesellschaftlichen Erwachsenenbildungssektors vermittelt werden.

Sind Sie Projektmanager*in/ -mitarbeiter*in mit organisatorischer Funktion und/oder Leitungsperson einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die im Bereich des Lebenslangen Lernens tätig ist, und haben wenig bis keine Erfahrung in internationalen Projekten, würden wir uns freuen, wenn Sie unser kostenloses Weiterbildungsangebot nutzen. Ebenso dürfen mehrere Mitarbeiter*innen einer Organisation teilnehmen und gerne können Sie diese Angebot auch intern und an Partnerorganisationen weiterleiten! Sofern Sie interessiert sind, füllen Sie bitte das verlinkte Anmeldeformular aus und schicken es an oliver.loescher@educult.at zurück!

 

Wir können derzeit keine Anmeldungen für den Kurs mehr entgegennehmen, da die maximale Teilnehmer*innenzahl erreicht ist. Jedoch können wir Interessent*innen gerne auf die Warteliste setzen!

 

Changiermasse Kulturpolitik: Ein traditionell unterentwickeltes Politikfeld in Zeiten von türkis-grün

Kürzlich erschien ein Kommentar des Feuilletonchefs des Standards Stephan Hilpold mit dem Titel „Stiefkind Kultur“. Ganz offensichtlich ist im Zuge der neuen Regierungsbildung in Sachen Kunst- und Kulturzuständigkeit nicht alles rund gelaufen. Die vormalige Rektorin der Akademie der bildenden Künste Eva Blimlinger galt lange Zeit als Favoritin zur Wahrnehmung kulturpolitischer Kompetenzen auf Bundesebene. Einige Zeit war sogar von einem eigenen Kulturministerium die Rede, das von Blimlinger geführt werden sollte. Groß war die Hoffnung, mit einer solchen Ressort- und Personalentscheidung die Relevanz des Kulturbetriebs in der österreichischen Gesellschaft nachhaltig zu erhöhen.

Gekommen ist alles anders. Während die resolute Mitverhandlerin des Kunst- und Kulturkapitels im Regierungsprogramms den Vorsitz des parlamentarischen Kulturausschusses übernimmt, zog Werner Kogler in der Zielgeraden noch einmal eine Überraschungskandidatin in Gestalt der Europa-Abgeordneten Ulrike Lunacek aus dem Hut und machte sie zu einer für Kunst und Kultur zuständigen Staatssekretärin. Nun stehen die politischen Meriten dieses grünen Urgesteins außer Frage; gut nachvollziehbar, dass Werner Kogler in der aktuellen ausgesetzten Lage als Juniorpartner in einer Koalition mit einer mit allen Wasser gewaschenen türkisen Truppe auf Lunaceks langjähriges politisches Knowhow nicht verzichten wollte. Wenig wahrscheinlich freilich ist es, dass die beiden Vertrauten sich im Vizekanzleramt in erster Linie über kulturpolitische Fragen austauschen werden.

Ulrike Lunacek ist kulturpolitisch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt; entsprechend tauchen Erinnerungen an ähnliche Konstellationen auf, als der vormalige Bürgermeister von Wiener Neustadt Peter Wittmann in der Regierung Viktor Klima erstmals ein Kunststaatssekretariat im Kanzleramt leitete und Klima sich rühmte, damit Kultur zur „Chefsache“ gemacht zu haben. Er hatte zuvor die Rolling Stones nach Wiener Neustadt gebracht und legte doch bereits in seinem ersten großen Fernsehinterview einen beeindruckenden Bauchfleck hin. Anhand der damaligen Erfahrungen ist es nicht ganz abwegig, Lunaceks Bestellung als einen Sieg der Parteistrategie über die Fachkompetenz zu interpretieren, mit dem einmal mehr kulturpolitische Fragen übergeordneten Machtinteressen geopfert worden sind. Wer dazu das hohe Ausmaß an Personalisierung innerhalb des Kulturbetriebs kennt, wird die, wenn es sein musste, auch penetrante Durchsetzungsfähigkeit der unbestrittenen Fachfrau Blimlinger vermissen.

Ein Appell an den Kulturbetrieb: Ächzen, Stöhnen und Klagen ist auf Dauer noch keine kulturpolitische Strategie

Ziemlich erwartbar und damit symptomatisch für den öffentlichen Diskurs waren im Vorfeld die mangelnden Klagen von Künstler*innen und Kulturschaffenden, der Kultur würde nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Ihre Anliegen würden ausschließlich als wenig attraktives Versatzstück im Machtpoker verhandelt, der (Eigen-)wert der Kultur nicht genügend wertgeschätzt. Diese fast schon rituelle Form des kollektiven Räsonnements kaschiert nach den vielfältigen Versuchen rechter Kräfte, die kulturelle Hegemonie zu übernehmen, nur mehr ungenügend, wie wenig der Kulturbetrieb – immer mit dem Hinweis auf seine Autonomieansprüche – getan hat, sein Standing in der Gesellschaft zu verbessern und so auch Einfluss auf die politische Entscheidungsfindung zu nehmen.

Immerhin zeigt die Zusammensetzung der neuen Bundesregierung, dass der in die Jahre gekommene Deal zwischen Staat und Kulturbetrieb frei nach dem Motto: Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass nicht mehr funktioniert. Der Staat, der sich darauf beschränken soll, eine weitgehend hermetische Käseglocke aufrecht zu erhalten, unter der ein selbstreferentieller Kulturbetrieb sich weitgehend selbst genügt, ist an sein Ende gekommen. Entsprechend gefordert erscheint heute ein Kulturbetrieb (wie das bereits zu Beginn der 1970er Jahre Gerhard Fritsch mit dem Diktum, es gälte, die Fenster eines altdeutschen Wohnzimmers zu öffnen und frischen Wind hereinzulassen) sich stärker in die gesellschaftlichen Verhältnisse einzumischen und auf diese Weise selbst als (kultur-) politischer Akteur aufzutreten. Immerhin steht vieles dafür, dass die Erzeugung von politischem Druck die einzige Sprache ist, die politische Verantwortung welcher politischen Couleur auch immer, zu verstehen vermögen.  Lamentieren inklusive des Erhebens der Moralkeule werden da wenig ausrichten.

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Monument Valley

Monument Valley setzt sich, auf innovative Art und Weise mit Erinnerungskultur auseinander. Junge Berliner*innen sammeln haptische Erfahrungen und entwickeln Fragen zu Geschichten des Kriegs, Kolonialismus, Wanderbewegungen und Revolutionen.

Die S27 – Kunst und Bildung, das Stadtmuseum und die StreetUniverCity setzen gemeinsam archäologische und künstlerische Expeditionen mit Jugendlichen um. Trümmer und Spuren der Vergangenheit Berlins werden aufgegriffen, über haptische Experimente und ästhetische Prozesse erlebt und weitergedacht. Geschichte soll erfahrbar gemacht und mit Handeln in der Zukunft in Verbindung gebracht werden.

Das Programm ist durch eine offene Vorgangsweise gekennzeichnet, in den die teilnehmenden Jugendlichen partizipativ eingebunden sind.

Der Fokus der begleitenden Evaluation liegt auf den Potenzialen und Herausforderungen des Programms, die sich aus den Transformations- und Öffnungsprozessen der künstlerisch-partizipativen Impulse der Jugendlichen ergeben. Ziel ist auch die Herausarbeitung von Handlungsempfehlungen, die eine Weiterentwicklung des Programms unterstützen und Transfermöglichkeiten aufzeigen sollen.