Respekt – gemeinsam stärker!

„Respekt – gemeinsam stärker!“ ist ein Kooperationsprojekt, das von der Stadt Wien gefördert und vom Verein Wiener Jugendzentren in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion umgesetzt wird. Das Ziel des Präventionsprojektes ist es, zehn Wiener Schulen (schwerpunktmäßig Neue Mittelschulen) bei der Bewältigung sozialer Herausforderungen wie Mobbing, Abwertung aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Herkunft, Konflikten, Spannungen im Klassenzimmer etc. zu unterstützen. Dabei sollen nicht punktuelle Interventionen gesetzt, sondern Schulen befähigt werden, sich ganzheitlich, systematisch und mit einem auf Nachhaltigkeit abzielenden Ansatz mit den Herausforderungen im Schulalltag auseinanderzusetzen.

Das Projekt zielt darauf ab, angst- und gewaltfreie Schulen zu etablieren, Schüler*innen zu stärken, Lehrer*innen zu entlasten und Eltern aktiv einzubinden. Um diese Ziele zu erreichen und die Schulkultur nachhaltig zu verändern, werden diverse Rahmenbedingungen geschaffen.

Die begleitende Evaluation legt den Fokus auf Projektaufbau und -struktur, laufende Prozesse und Transfermöglichkeiten sowie Erarbeitung von Empfehlungen zur Optimierung.

Methode

Die Evaluation, die auf der Akteur-Netzwerk-Theorie basiert, setzt auf einen Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden. Mittels Interviews mit Projektverantwortlichen, Schulleiter*innen, Eltern, Kooperationspartner*innen, Beobachtungen, Fokusgruppen mit Schüler*innen, einer Online-Umfrage mit Lehrer*innen und Dokumentenanalysen stellen wir sicher, dass alle Evaluationsfragen beantwortet werden können.

Weiterbildungskurs „International kooperieren im Bereich des Lebenslangen Lernens, aber wie? – Ausgebucht

EDUCULT bietet am 28./29. Februar 2020 einen zweitägigen kostenlosen Weiterbildungskurs für Projektmanager*innen /-mitarbeiter*innen und Leitungspersonen von zivilgesellschaftlichen Organisationen an, die im Bereich des Lebenslangen Lernens tätig sind und an internationalen Kooperationen interessiert sind. Mit diesem Kurs möchte EDUCULT den Teilnehmer*innen vermitteln, wie internationale Kooperationen erfolgreich umgesetzt werden können.

Der Kurs findet im Rahmen des internationalen Entwicklungsprojekts „First-time international project realisers support network“ statt, das von fünf Organisationen der Zivilgesellschaft aus fünf europäischen Ländern durchgeführt wird (Polen, Italien, Ungarn, Dänemark und Österreich). Das Hauptziel des Projekts ist es,  die internationale partnerschaftliche Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Erwachsenenbildung unterstützen bzw. anbieten, zu stärken und ihnen so zu mehr Innovationskraft zu verhelfen.

Zielgruppe dieses Kurses sind Projektmanager*innen/ -mitarbeiter*innen mit organisatorischer Funktion und Leitungspersonen des zivilgesellschaftlichen Erwachsenenbildungssektors mit wenig bis keiner Erfahrung  im internationalen Projektmanagement, die eine internationale Zusammenarbeit anstreben, insbesondere aus

  • Vereinen,
  • Stiftungen,
  • Volkshochschulen,
  • Sozialgenossenschaften und
  • Sozialunternehmen.

Die Lehrinhalte umfassen u.a.:

  • Vorstellung von „First-time international project realisers support network“
  • Einführung in internationales Projektmanagement
  • Überblick über die EU-Förderprogramme
  • Einführung in Mobilitätsprojekte
  • Erfolgsindikatoren eines internationalen Projekts
  • Kompetenzen und Herausforderungen für internationale Projektmanager*innen
  • Internationaler Netzwerkaufbau
  • Antragstellung und Projektdesign mit Projektpartner*innen
  • Risiko- und Konfliktmanagement in der interkulturellen Zusammenarbeit
  • Evaluation und Monitoring von internationalen Projekten

Nach einem Kennenlernen der Teilnehmer*innen und der Organisator*innen wird der Kurs in Präsentationen von Lektor*innen, interaktive Workshops und Kurzpräsentationen mit den Teilnehmer*innen aufgeteilt sein. Basierend auf zwei Studien zu „Erfolgen und Herausforderungen“ und „Schlüsselkompetenzen und Unterstützungsbedarfe“ in internationalen Projekten soll ein Erfahrungs- und Informationsaustausch stattfinden und wichtige Kompetenzen für internationale Projektmanager*innen/ -mitarbeiter*innen mit organisatorischer Funktion und Leitungspersonen des zivilgesellschaftlichen Erwachsenenbildungssektors vermittelt werden.

Sind Sie Projektmanager*in/ -mitarbeiter*in mit organisatorischer Funktion und/oder Leitungsperson einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die im Bereich des Lebenslangen Lernens tätig ist, und haben wenig bis keine Erfahrung in internationalen Projekten, würden wir uns freuen, wenn Sie unser kostenloses Weiterbildungsangebot nutzen. Ebenso dürfen mehrere Mitarbeiter*innen einer Organisation teilnehmen und gerne können Sie diese Angebot auch intern und an Partnerorganisationen weiterleiten! Sofern Sie interessiert sind, füllen Sie bitte das verlinkte Anmeldeformular aus und schicken es an oliver.loescher@educult.at zurück!

 

Wir können derzeit keine Anmeldungen für den Kurs mehr entgegennehmen, da die maximale Teilnehmer*innenzahl erreicht ist. Jedoch können wir Interessent*innen gerne auf die Warteliste setzen!

 

Changiermasse Kulturpolitik: Ein traditionell unterentwickeltes Politikfeld in Zeiten von türkis-grün

Kürzlich erschien ein Kommentar des Feuilletonchefs des Standards Stephan Hilpold mit dem Titel „Stiefkind Kultur“. Ganz offensichtlich ist im Zuge der neuen Regierungsbildung in Sachen Kunst- und Kulturzuständigkeit nicht alles rund gelaufen. Die vormalige Rektorin der Akademie der bildenden Künste Eva Blimlinger galt lange Zeit als Favoritin zur Wahrnehmung kulturpolitischer Kompetenzen auf Bundesebene. Einige Zeit war sogar von einem eigenen Kulturministerium die Rede, das von Blimlinger geführt werden sollte. Groß war die Hoffnung, mit einer solchen Ressort- und Personalentscheidung die Relevanz des Kulturbetriebs in der österreichischen Gesellschaft nachhaltig zu erhöhen.

Gekommen ist alles anders. Während die resolute Mitverhandlerin des Kunst- und Kulturkapitels im Regierungsprogramms den Vorsitz des parlamentarischen Kulturausschusses übernimmt, zog Werner Kogler in der Zielgeraden noch einmal eine Überraschungskandidatin in Gestalt der Europa-Abgeordneten Ulrike Lunacek aus dem Hut und machte sie zu einer für Kunst und Kultur zuständigen Staatssekretärin. Nun stehen die politischen Meriten dieses grünen Urgesteins außer Frage; gut nachvollziehbar, dass Werner Kogler in der aktuellen ausgesetzten Lage als Juniorpartner in einer Koalition mit einer mit allen Wasser gewaschenen türkisen Truppe auf Lunaceks langjähriges politisches Knowhow nicht verzichten wollte. Wenig wahrscheinlich freilich ist es, dass die beiden Vertrauten sich im Vizekanzleramt in erster Linie über kulturpolitische Fragen austauschen werden.

Ulrike Lunacek ist kulturpolitisch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt; entsprechend tauchen Erinnerungen an ähnliche Konstellationen auf, als der vormalige Bürgermeister von Wiener Neustadt Peter Wittmann in der Regierung Viktor Klima erstmals ein Kunststaatssekretariat im Kanzleramt leitete und Klima sich rühmte, damit Kultur zur „Chefsache“ gemacht zu haben. Er hatte zuvor die Rolling Stones nach Wiener Neustadt gebracht und legte doch bereits in seinem ersten großen Fernsehinterview einen beeindruckenden Bauchfleck hin. Anhand der damaligen Erfahrungen ist es nicht ganz abwegig, Lunaceks Bestellung als einen Sieg der Parteistrategie über die Fachkompetenz zu interpretieren, mit dem einmal mehr kulturpolitische Fragen übergeordneten Machtinteressen geopfert worden sind. Wer dazu das hohe Ausmaß an Personalisierung innerhalb des Kulturbetriebs kennt, wird die, wenn es sein musste, auch penetrante Durchsetzungsfähigkeit der unbestrittenen Fachfrau Blimlinger vermissen.

Ein Appell an den Kulturbetrieb: Ächzen, Stöhnen und Klagen ist auf Dauer noch keine kulturpolitische Strategie

Ziemlich erwartbar und damit symptomatisch für den öffentlichen Diskurs waren im Vorfeld die mangelnden Klagen von Künstler*innen und Kulturschaffenden, der Kultur würde nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Ihre Anliegen würden ausschließlich als wenig attraktives Versatzstück im Machtpoker verhandelt, der (Eigen-)wert der Kultur nicht genügend wertgeschätzt. Diese fast schon rituelle Form des kollektiven Räsonnements kaschiert nach den vielfältigen Versuchen rechter Kräfte, die kulturelle Hegemonie zu übernehmen, nur mehr ungenügend, wie wenig der Kulturbetrieb – immer mit dem Hinweis auf seine Autonomieansprüche – getan hat, sein Standing in der Gesellschaft zu verbessern und so auch Einfluss auf die politische Entscheidungsfindung zu nehmen.

Immerhin zeigt die Zusammensetzung der neuen Bundesregierung, dass der in die Jahre gekommene Deal zwischen Staat und Kulturbetrieb frei nach dem Motto: Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass nicht mehr funktioniert. Der Staat, der sich darauf beschränken soll, eine weitgehend hermetische Käseglocke aufrecht zu erhalten, unter der ein selbstreferentieller Kulturbetrieb sich weitgehend selbst genügt, ist an sein Ende gekommen. Entsprechend gefordert erscheint heute ein Kulturbetrieb (wie das bereits zu Beginn der 1970er Jahre Gerhard Fritsch mit dem Diktum, es gälte, die Fenster eines altdeutschen Wohnzimmers zu öffnen und frischen Wind hereinzulassen) sich stärker in die gesellschaftlichen Verhältnisse einzumischen und auf diese Weise selbst als (kultur-) politischer Akteur aufzutreten. Immerhin steht vieles dafür, dass die Erzeugung von politischem Druck die einzige Sprache ist, die politische Verantwortung welcher politischen Couleur auch immer, zu verstehen vermögen.  Lamentieren inklusive des Erhebens der Moralkeule werden da wenig ausrichten.

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Monument Valley

Monument Valley setzt sich, auf innovative Art und Weise mit Erinnerungskultur auseinander. Junge Berliner*innen sammeln haptische Erfahrungen und entwickeln Fragen zu Geschichten des Kriegs, Kolonialismus, Wanderbewegungen und Revolutionen.

Die S27 – Kunst und Bildung, das Stadtmuseum und die StreetUniverCity setzen gemeinsam archäologische und künstlerische Expeditionen mit Jugendlichen um. Trümmer und Spuren der Vergangenheit Berlins werden aufgegriffen, über haptische Experimente und ästhetische Prozesse erlebt und weitergedacht. Geschichte soll erfahrbar gemacht und mit Handeln in der Zukunft in Verbindung gebracht werden.

Das Programm ist durch eine offene Vorgangsweise gekennzeichnet, in den die teilnehmenden Jugendlichen partizipativ eingebunden sind.

Der Fokus der begleitenden Evaluation liegt auf den Potenzialen und Herausforderungen des Programms, die sich aus den Transformations- und Öffnungsprozessen der künstlerisch-partizipativen Impulse der Jugendlichen ergeben. Ziel ist auch die Herausarbeitung von Handlungsempfehlungen, die eine Weiterentwicklung des Programms unterstützen und Transfermöglichkeiten aufzeigen sollen.

Power to the Youth! Jugend im Widerstand

Power to the Youth – Jugend im Widerstand

Gibt es in unserer heutigen Gesellschaft zu viel Anpassung? Wozu braucht es Widerstand und wie können sich Jugendliche für ihre Anliegen stark machen? Welche Formen von Widerstand können Jugendliche ausüben? Welche Rolle spielt dabei Kunst bzw. wie kann Kunst Selbstermächtigung und Widerstand fördern?

Mit diesen Fragen setzt sich das Public Forum des österreichischen Netzwerkes der Anna-Lindh Stiftung auseinander. Das Forum bietet Jugendlichen, Vetreter*innen der Zivilgesellschaft, Aktivist*innen sowie allen Interessierten einen Raum über Widerstand und seine Relevanz zu diskutieren und sich auszutauschen. Dabei sollen 5-minütige Impulsstatements von ausgewählten SpeakerInnen die Diskussion anregen. Im Anschluss wird zur Veranstaltung OPEN SPEECH des Dschungel Wien in Kooperation mit YEP – Stimme der Jugend um 18 Uhr eingeladen.

BLOCK: Was ist Widerstand? Wie geht Widerstand?

Mahsa GHAFARI, Aktivistin

Dr.in Bianca SCHÖNBERGER, Geschäftsführerin von ZARA Training gemeinnützige GmbH

Cécile BALBOUS, Queer Base

BLOCK: Widerstand und Kunst

Vero GMEINDL, Forum Theater

Yasmo, Künstlerin

 Moderation:

MMag. Sherin GHARIB, oiip

Im Anschluss wird zur Veranstaltung OPEN SPEECH des Dschungel Wien in Kooperation mit YEP – Stimme der Jugend um 18 Uhr eingeladen.

Public Forum: Dienstag, 21. Jänner 2020, 15:00 – 17:00 Uhr

Ort: Dschungel Wien, Theaterhaus für junges Publikum MQ

Kunst oder Mensch – das ist hier die Frage.

Über ein unhintergehbares Widerspruchsverhältnis, dessen Bearbeitung über die Zukunft des Kunstbetriebs entscheiden wird

Dieser Tage erlebte ich den russischen Pianisten Grigory Sokolov im Stephaniensaal in Graz. Sein Programm umfasste diesmal Mozart und Brahms, als Zugabe folgten Rameau, Schubert und Schumann. Und es stellte sich einmal mehr der Eindruck ein: Dieser Musiker ist irgendwie nicht von dieser Welt. Wenn er da allein am Instrument sitzt und spielt, kann er einfach alles. Als wäre da einer von einem anderen Stern gekommen.

Wenige Tage später spielte er das gleiche Programm im Wiener Konzerthaus. Der Musikkritiker des Standard Daniel Ender erlaubte sich eine verhaltene Kritik, wenn er anhand der Interpretation des As-Dur-Impromptus von Schubert die Wirkung der Musik als „ausgesprochen schön und zugleich schön fad“ beschreibt. Kann es sein, dass er da eine zu viel des Guten präsentiert hat?

Aber nicht um eine Musikkritik soll es hier gehen sondern um das Verhältnis von Interpret und Publikum, das Sokolov auf eine sehr eindeutige Art definiert. Im Programmheft lese ich dazu:

 „Als legendär gelten sein schnelles Schreiten zur Bühne, die kurze Verbeugung und die sofortige Konzentration auf das, was seiner tiefsten Überzeugung nach im Mittelpunkt steht undstets auch stehen sollte: die Musik. Sokolov scheint in der Musik zu versinken und stellt sich selbst als Künstler und Persönlichkeit in den Schatten der „Protagonistin“ Musik: „Ich mag all die Dinge nicht, die nichts mit der Musik zu tun haben. Alles, was die Musik stört, entzieht ihr Kraft und hat keinen Platz neben ihr“.

Um Musik soll es also gehen; um nichts als um die Musik. Sokolov lässt dazu das Saallicht dämpfen. Die Körper der Zuhörer*innen sollen tunlichst zum Verschwinden gebracht werden; ihre Reaktion erschöpft sich im Schlussapplaus, der sich auch diesmal –fast als ein Befreiungsakt –als nicht enden wollend erweisen sollte.

Grigory Sokolov ist durch die traditionelle russische Pianistenschule gegangen: Das Ergebnis ist ein Körper, durch den Musik scheinbar mühelos hindurch geht und zum Klingen gebracht wird. Da will sich niemand mehr von seiner Virtuosität beeindrucken lassen, diese wird als immer schon selbstverständlich vorausgesetzt: Stattdessen will Sokolov den Eindruck einer „reinen Musik“ suggerieren, die die Zuhörer*innen in ihren Bann zieht und ihnen das Gefühl gibt, sie wären –zumindest für den kurzen Moment der Aufführung –ihrer Körperlichkeit enthoben. Die Musik, die den Stephaniensaal durchströmt, ist alles. Das Wissen, dass da ein Mensch aus Fleisch und But spielt und andere zuhören, verschwindet.

Wenn dabei Daniel Ender nicht nur der Eindruck der Schönheit sondern auch der Fadheit überkommt, so mag es u.a. daran liegen, dass in einem Rezital von Sokolov das Ringen des Menschen um Musik jeglicher Boden entzogen erscheint. Die Musik ist in vollendeter Form immer schon da; dem Interpreten ist es vorbehalten, sie möglichst rein zum Ausdruck zu bringen.

Ein solches Erlebnis ist überwältigend und es ist zugleich unmenschlich. Sokolov ist mit seiner Haltung zu Musikeiner der Vertreter einer Aufführungspraxis, die vermeint, Musik und Mensch so weit voneinander trennen zu müssen, dass sie scheinbar nichts mehr miteinander zu tun haben. Nur so könne man ihr gerecht werden.

Musik aus dem Jenseits: als Ausdruck göttlicher Vollkommenheit….

Es versteht sich fast von selbst, dass sich eine solche Auffassung von Musik jeglicher Vermittlung verweigert. Dabei besteht die Vertracktheit dessen, was sich zwischen Sokolov und seinem Publikum ereignet darin, dass der Spielende und die Hörenden zwar auf einem gemeinsamen Raum verwiesen sind, in dem sie Musik erfahren (und folglich über das Medium Musik in Beziehung treten). Zugleich muss diese Gemeinsamkeit geleugnet werden, geht es ja nicht um diejenigen, die Gemeinsamkeit herstellen sondern um die Musik, hinter die beide Seiten zurückzutreten haben. Dieses Setting richtet sich folglich gegen alle Vorstellungen, bei Musik handle es sich um eine herausragende Form der menschlichen Kommunikation, deren Aufgabe darin besteht, Produzent*innen und Rezipient*innen miteinander in Beziehung zu setzen. Stattdessen sollen sie verschwinden, um das zu ermöglichen, um was es zumindest Sokolov geht: um eine Musik jenseits der Unzulänglichkeiten der menschlichen Natur, in der Hoffnung, von dort umso stärker zurückwirken zu können (eine Wirkweise, die im Glücksfall kathartische Effekte auszulösen vermag). Die Apologet*innen von Vorstellungen von Musik, die in ihr einen unmittelbar göttlichen Ursprung erkennen wollen, sind da nicht mehr weit…..

 

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Die „commune“ oder ein kurzer Moment der politischen Utopie

Eine kleine autobiographische Revue Teil IV

 

Ende der 1970er Jahre zeigten sich beträchtliche Brüche im Reformprojekt der seit 1971 alleinregierenden Sozialdemokratie. 1978 erfuhr Bruno Kreisky eine herbe Niederlage bei der Volksabstimmung zur Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf ein. Und doch gelang es ihm ein Jahr darauf, bei der Nationalratswahl 1979 für seine Partei mit 51% der Wähler*innen-Stimmen noch einmal eine absolute Mehrheit zu erzielen. Zur selben Zeit versammelte sich in und rund um die Anti-AKW-Bewegung ein vor allem jugendlicher Teil der Bevölkerung, der immer weniger bereit war, „ein Stück des Weges“ mit der Regierungspartei mitzugehen. Mit ihren Emanzipationserwartungen wollten sie sich auch von einem überkommenen politischen Paternalismus nicht mehr gängeln lassen sondern ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen. Erstmals in ein breiteres öffentliches Bewusstsein erreichte dieser gesellschaftliche Wandel mit der Besetzung der „Arena“, einem spontan entstandenen Jugend- und Kulturzentrum, das im Anschluss an die Wiener Festwochen 1975 für wenige Monate im ehemaligen Auslandsschlachthof Sankt Marx die Idee der kulturbetrieblichen Selbstverwaltung am Leben erhielt, bevor es zugunsten eines Modegroßhandels geschleift wurde.

Trotz dieser Niederlage bildeten sich in der Folge immer neue Protestformen, sei es bei Hausbesetzungen oder anderen Aktionsformen, die die offizielle Kulturpolitik, zunehmend irritierten. In der Anti-Zwentendorf-Bewegung schließlich bündelten sich die unterschiedlichsten Interessen. Im gemeinsamen Kampf gegen eine zunehmend abgehobene Staatsmacht verband sich konservatives Streben nach Unversehrtheit der Natur mit dem revolutionären Kampf gegen das ausbeuterische Großkapital und brachte die ehernen politischen Verhältnisse zum Tanzen. Die regierende SPÖ schien darauf nur ungenügend vorbereitet. Immerhin hatte sich Kreisky die längste Zeit als ein Meister darin erwiesen, wenn es darum ging, zwischen den verschiedenen Flügeln seiner Partei – rechte Gewerkschafter und linke Ideologen – zu jonglieren. Was sich da außerhalb der Partei politisch zusammenbraute, konnte nur zu leicht als irrelevant abgetan werden (Kreisky sprach in diesem Zusammenhang von „Lausbuben“, von denen er sich nicht von seinem Kurs abhalten würde). Mit dem Erstarken des Einflusses des jungen Finanzministers und Vizekanzlers Hannes Androsch entbrannte schließlich ein interner Machtkampf um den künftigen Kurs der Partei, der dem „Alten“ zunehmend entgleiten sollte.

Die Sozialistische Jugend als Rekrutierungsplattform künftiger Politiker*innen

Die Sozialistische Jugend (sj) spielte in diesen Auseinandersetzungen nur sehr am Rande mit. Als traditionelle Kaderorganisation kam ihr vor allem die Aufgabe zu, eine künftige Politiker*innen-Generation auf ihre Ämter vorzubereiten. Ein darüber hinausgehendes Engagement erschöpfte sich nur zu leicht in ideologischen Grundsatzdebatten. Und so mussten ihre Funktionäre zusehen, wie sich vor ihren Augen eine neue Jugendbewegung formierte, die zwar bereit war, bei diversen Aktionen das organisatorische Knowhow der etablierten Jugendorganisationen der Parteien in Anspruch zu nehmen, die inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen parteigebundenen Berufsjugendglichen hingegen erst gar nicht beginnen wollte (bei diversen Protestaktionen war die Arbeitsteilung klar: Anmeldung, Bühne und Technik, allenfalls Öffentlichkeitsarbeit übernimmt die Partei; die neuen sozialen Bewegungen steuern die die Inhalte und die Teilnehmer*innen bei) .

Wir müssen uns öffnen

Trotz aller Vorurteile gegenüber den anarchistischen Radikalinskis, die sich einer strikten Parteiloyalität verweigerten, wurde unter den braven Parteisoldat*innen die Stimmen lauter, die darauf drängten, sich gegenüber diesen Gruppen zu öffnen und neue informelle Bündnisse zu versuchen. Die damaligen Jugendfunktionäre, unter ihnen das gesamte politische Personal, das später die Republik bestimmen sollte (Werner Faymann, Michael Häupl, Renate Brauner, Brigitte Ederer, Andreas Rudas, Peter Pelinka oder Ernst Woller auf Wiener Landesebene; Alfred Gusenbauer, Josef Cap, Reinhard Todt oder Doris Bures auf Bundesebene) versprachen sich davon einerseits ein verbessertes Standing innerhalb der Partei und anderes ein moderneres Erscheinungsbild, das nicht nur für Jugendliche aus traditionellen Arbeiter*innen-Milieus interessant sein könnte.

Das war die Geburtsstunde eines von der sj betriebenen Jugend- und Kulturzentrums, das sich von den vertaubten Jugendzentren der Stadt Wien abheben wollte. Schon die Wahl des Ortes war bezeichnend….

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Kunst zeigt Wirkung – Das Prinzip von „Autorität durch Autorschaft“ (Bazon Brock) im Spiegel der aktuellen politischen Konflikte

Vor einigen Tagen lud die Klasse „transarts“ an der Angewandten den Kunstheoretiker Wolfgang Ullrich zu einem öffentlichen Gespräch mit dem Philosophen Franz Schuh. Ihr Thema war das Verhältnis von Kunst, die auf Märkten ge- und der, die im öffentlichen Museum verhandelt wird.

Ullrich hat 2016 den Band „Siegerkunst – Neuer Adel, teure Lust“ herausgebracht, in dem er in pointiert zugespitzter Manier die ästhetische Moderne zu Grabe trägt. Anhand der Analyse konkreter Beispiele nachmoderner Künstler*innen-Strategien kommt Ullrich zum Schluss, dass wir nicht darum herum kommen werden, uns von liebgewordenen Vorstellungen über Kunst zu verabschieden. Angesichts der aktuellen Entwicklungen am Kunstmarkt hätte Kunst als Instanz der Aufklärung ihre kritische und damit die Gesellschaft (im Positiven) verändernde Funktion verloren. Künstler*innen würden sich vom Auftrag, am gesellschaftlichen Fortschritt mitzuwirken, verabschieden und im Zuge der sich immer weiter verschärfenden Konkurrenzkämpfen neue Allianzen mit den Gewinnern der aktuellen Krisenerscheinungen (vulgo den „Superreichen“) eingehen. Damit würden alle bisherigen, nicht marktbezogenen künstlerischen Qualitätsvorstellungen über Bord geworfen; was bliebe, das wäre der schiere Besitz. Dieser erlaube es den Begünstigten, über den (in den meisten Fällen rational nicht nachvollziehbaren) Preis des erworbenen Kunstwerkes nicht nur materiellen sondern auch sozialen Distinktionsgewinn zu maximieren.

In dieser neuen Phase der individuellen Reichtumsrepräsentation durch Kunst würde der kunsttheoretische Diskurs weitgehend obsolet: Künftig über Kunst reden bedeutet für Ullrich über den Preis reden; allenfalls noch über die Beweggründe des- bzw. derjenigen, die die zum Teil irrwitzigen Preise für die Kunst bezahlt haben,  um sie zu besitzen. Dass eine solche Refeudalisierung des Verhältnisses zu Kunst beträchtliche Auswirkungen auf den Kulturbetrieb im Allgemeinen und seinen Vermittlungsbemühungen hat, stellte bei der Diskussion nur ein Randthema dar. Deswegen möchte ich mich hier etwas intensiver damit beschäftigen.

Als der Künstler wieder in den Schoß der Kultur zurückkehrte

Ein anderer Kunsttheoretiker und selbst gerne provozierende Künstlerfigur, Bazon Brock hat im Rahmen einer ORF-Veranstaltung noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich beim Künstler um eine historische Rolle handelt, der erst im späten 13. Jhdt. – ausschließlich in Europa – eine eigenständige Funktion zukommt. Bislang ausschließlich den handwerklichen Tätigkeiten zugeordnet, emanzipierte sich seit damals – zusammen mit dem Wissenschaftler (Naturphilosoph) – die neue gesellschaftliche Figur des Künstlers, der für sich eine radikale Individualität beansprucht: Seine „Autorität durch Autorschaft“ erfüllte sich nicht im Nachvollzug der jeweiligen kulturellen Gegebenheiten. Ganz im Gegenteil beanspruche er für sich, den kulturellen Kontext, aus dem heraus er agiert, zu überwinden und sich mit seiner Kunst in ein zumindest distanziertes Verhältnis zudem zu begeben, was ihn umgibt. Es blieb jeweils künftigen Generationen vorbehalten, diese künstlerischen Hervorbringungen in die kulturellen Gegebenheiten zu integrieren und damit ein prekäres Verhältnis von Kunst und Kultur zu begründen, das wir bis heute nicht gelöst haben.

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