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Kultur als Waffe

Zuletzt unternahm die Europäische Union verstärkt Anstrengungen, die Bedeutung der Kultur in den Außenbeziehungen zu erhöhen. Denkanstöße wie „Culture - Towards an EU strategy for international cultural relations”  sollen künftig dazu beitragen, die Position der EU als globale Wirtschaftsmacht stärken, in der Hoffnung damit die internationalen Beziehungen zu festigen. Dazu ...


Achtung, wir sind im falschen Film!

Vor einiger Zeit hat der SPÖ-Vorsitzende und Bundeskanzler Christian Kern ein Video veröffentlicht, das von seiner Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen aus dem traditionellen Wiener Arbeiterbezirk Simmering berichtet. Wir erfahren von seinen jugendlichen Anfängen, die alles andere als einfach waren: die Mutter hat sich „einen Hax‘n ausgerissen“, auf dass es dem ...


Wenn Kultur in Barbarei umschlägt

Soeben hat die Unternehmensberatung Boston Consulting anhand von 44 Indikatoren herausgefunden, dass es sich im Vergleich von 162 Staaten kaum besser leben lässt als in Österreich. Diese beruhigende Nachricht spiegelt in keiner Weise die aktuelle politische Auseinandersetzung wider, die sich in Ver- und Zerfallsszenarien überbietet. Vor allem im Abwehrkampf gegen ...


1848 / 1918 – Gute Gründe zur Erinnerung

Das Jahr 2018 rückt näher. Und damit die hundertste Wiederkehr der Ausrufung der Republik Österreich nach dem gewaltsamen Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie. Meine Recherchen deuten nicht drauf hin, dass sich der Staat Österreich und seine BürgerInnen intensiv auf dieses Jubiläum vorbereiten. Selbst das vom vormaligen Kulturminister Josef Ostermayer ins Leben gerufene ...


Über Schönheit, architektonische Rekonstruktionsversuche und die Repräsentation von Herrschaft

Von Michael Wimmer Die Aussage ließ an Klarheit nichts zu wünschen übrig. In seiner Rede beim jüngsten kulturpolitischen Bundeskongress „Welt.Kultur.Politik“  mischte sich Außenminister Sigmar Gabriel in die öffentliche Diskussion ein, ob das rekonstruierte Berliner Stadtschloss mit einem Kreuz gekrönt werden sollte oder nicht. Seiner Meinung nach sei der Fehler bereits wesentlich ...


EDUCULT im Gespräch mit Oleg Soulimenko

Oleg Soulimenko ist ein russischer Performer und Choreograph, der sowohl in Wien, als auch in Moskau arbeitet und lebt. Bevor er sich dazu entschied, seine berufliche Laufbahn dem Tanz zu widmen, studierte er Bauingenieurwesen. 1990 gründete Oleg Soulimenko das „International Laboratory Saira Blanche Theater“. Dessen Bühnenwerke, die zutiefst anspruchsvolle, starke ...


Altern

Von Michael Wimmer Das Buch von Natascha Wodin „Altern, fremdes Land“ beginnt mit der Wahrnehmung von Veränderungen am, besser im eigenen Körper: „Zuerst hatte sie geglaubt, die Schwäche, mit der sie eines Morgens aufgewacht war, sei einer der ganz gewöhnlichen kleinen Unpässlichkeiten, die kamen und genauso schnell wieder gingen. Mal hatte man ...


(English) EDUCULT Talks: with Oleg Soulimenko

Leider ist der Eintrag nur auf English verfügbar.


Das Publikum – das unbekannte Wesen

Jüngst in einer Probe im Burgtheater brach es aus dem gestressten jungen Regisseur heraus: „Ich hasse das Publikum.“ Und weit und breit niemand, der dagegen gehalten hätte. Ganz offensichtlich steht diese Nachwuchshoffnung mit seiner Aggression denen gegenüber denen, für die er Kunst produziert, nicht alleine da. Vielleicht liegt schon in der ...


Es gibt ein sinnerfülltes Leben jenseits der Arbeit

„Lesen ist der Anfang von allem, was den Menschen zum immer unvollkommenen Schöpfer seiner Welt macht. Doch auch das biologische Leben ist nur als Kunstwerk haltbar, das einem jeden Augenblick den Atem rauben könnte.“ (Aus dem Roman „Der weiße Freitag“ von Adolf Muschg.) Spätestens mit der Durchdringung der digitalen Medien aller ...


EDUCULT im Gespräch mit Youssufu

Youssufu wurde in Afghanistan geboren, wo er der usbekischen Volksgruppe angehört. Er wuchs unter anderem in Saudi-Arabien auf und studierte in Moskau. Zugleich fand er mit seiner Musik ein Medium, um seine Meinungen zu äußern und Missstände anzuprangern. 2010 musste er nach Anschlägen auf ihn und seine Familie aus Afghanistan ...


Voltaires Doppelmoral

"[…]Daraus ergab sich ein Dilemma für die Gesellschaften des Westens, die sie bis heute nicht überwunden haben und ganz besondere für die gebildete Mittelschicht, die sich noch heute als Motor des sozialen Gefüges begreift. Ihr moralischer Anspruch gründet sich auf die Idee von Demokratie und universellen Menschenrechten. […] Ihr wirtschaftlicher ...


Wozu brauchen wir überhaupt noch Schule?

Zu den wesentlichen bildungspolitischen Elementen in Christian Kerns "Plan A" zählen "Schule  4.0", um die digitalen Kompetenzen der österreichischen SchülerInnen zu stärken, sowie der Ausbau der Autonomie an den einzelnen Schulstandorten. Diese soll es ermöglichen, den regionalen Besonderheiten Rechnung zu tragen und maximale Gestaltungsspielräume zu nutzen. Diese Ankündigung reiht sich ...


EDUCULT im Gespräch mit Zhanina Marinova

Zhanina Marinova wurde 1994 in Varna, Bulgarien geboren. Schon früh setzte sie sich als Kind mit Kunst auseinander. Von 2008 bis 2013 besuchte sie das Gymnasium für Bildende Kunst ''Dobri Hristo'' in ihrer Heimatstadt. Der Wunsch im Ausland zu studieren und sich mit abstrakter, zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen, führte sie nach ...


Über den Hass auf die Eliten

In diesen Tagen erscheint der Roman von Julian Barnes "Der Lärm der Zeit" zum Leben von Dmitri Schostakowitsch. Im Zentrum steht dabei das künstlerische Schaffen des sowjetischen Komponisten, der gegen jede Wahrscheinlichkeit den eigenen Untergang überlebt. Während er gefordert war, die von Stalin persönlich überwachte kulturpolitische Parteilinie zu befolgen, geriet ...


EDUCULT im Gespräch mit Golnar Shahyar und Mahan Mirarab

Die Sängerin Golnar Shahyar und der Gitarrist Mahan Mirarab sind aus der Szene der sogenannten „Weltmusik“ nicht mehr wegzudenken. Im Iran geboren und aufgewachsen, hat der Wunsch als professionelle Musiker tätig zu sein, die beiden nach Wien kommen lassen. Seit einigen Jahren sind sie in unterschiedlichen musikalischen Formationen (Golnar & ...


Wir müssen politischer werden!

Es war wohl eher Zufall, dass das jüngste Netzwerktreffen des Projekts „Kunst und Spiele“ zeitgleich mit der Inauguration des neuen Präsidenten der USA, Donald Trump zusammenfiel. Zwei Ereignisse, die fürs Erste nichts miteinander zu tun haben und mich doch – ausgerechnet im Zuge der Präsentation der Evaluationsergebnisse –  fast zwanghaft ...


Schule.Macht.Rechtspopulismus

Einer der Vorteile von PISA liegt darin, dass zumindest für eine kurze Zeitspanne in einer breiteren Öffentlichkeit über Schule gesprochen wird. Völlig unverständlich ist mir aber, warum die veröffentlichten PISA-Ergebnisse für Österreich 2015 nicht unmittelbar zu einem breiten Aufstand empörter BürgerInnen führt, denen vor Augen geführt wird, dass ihre Kinder ...


EDUCULT im Gespräch mit Dora Kuthy

Dora Kuthy wurde 1981 in Budapest, Ungarn geboren und ist in der Nähe von Mailand, Italien aufgewachsen. Seit 2005 lebt und arbeitet sie in Wien. Sie hat ihr Studium Design, Architektur und Environment für Kunstpädagogik und Textil – Freie, angewandte und experimentelle künstlerische Gestaltung im Jahr 2014 an der Universität ...


Kunst braucht keinen Pass

In seinem Buch „Lob der Grenze“ aus 2012 beschäftigt sich der Philosoph Konrad Paul Liessmann mit einem, von ihm diagnostizierten falschen „Pathos der fallenden Grenzen“. Einem solchen hält er entgegen, dass Grenzen nicht nur die Voraussetzung von Identität, sondern auch die Grundbedingung für trennscharfes Unterscheidungsvermögen seien. Niedergerissene Grenzen würden zumeist ...


Ach, die Werte!

Es ist jetzt schon fast 20 Jahre her, dass der Doyen der deutschen Erziehungswissenschaften Hartmut von Hentig den Band „Ach, die Werte. Über die Erziehung für das 21. Jahrhundert“ herausgebracht hat. In seinen Überlegungen verwies er bereits 1999 – und damit lange vor der aktuellen Migrations- und Flüchtlingsdebatte – auf ...


EDUCULT im Gespräch mit Khaled Al Mobayed

Khaled Al Mobayed wurde 1989 in Damaskus, Syrien geboren. Schon nach dem ersten Besuch einer Theateraufführung in Damaskus, hatte ihn die Faszination für das Theater gepackt und er verfolgte daraufhin zielsicher seinen Wunsch, Schauspieler zu werden. Gegen den Willen seiner Familie entschied er sich für ein Schauspielstudium in Damaskus. Bereits ...


Die Stunde der Megalomanen

In diesen Tagen bin ich zufällig auf den Roman „Freuds Megalomanie“ des US-amerikanischen Historikers Israel Rosenfield aus dem Jahr 2000 gestoßen. Er berichtet darin von einem verschollenen Manuskript Sigmund Freuds mit dem Titel „Megalomanie“, das er am Ende seines Lebens einer unehelichen Tochter vermacht haben soll. Darin reflektiert der Begründer ...


Kultur und/oder Demokratie

Vor einigen Tagen war ich eingeladen, den Eröffnungsvortrag zur diesjährigen Literaturenquete zu halten, die sich diesmal dem Thema Vermittlung gewidmet hat. Unter dem Titel „Literatur und Gesellschaft – Enquete zur Literaturvermittlung in Österreich“ fanden sich die österreichischen Literaturhäuser zusammen, um sich über die Relevanz von Literatur in der Gesellschaft zu ...


Schule macht schwach!

  Rechtzeitig zu Schulbeginn erreicht uns eine Analyse des österreichischen Schulsystems in Form der jüngsten Ausgabe der OECD-Vergleichsstudie „Bildung auf einen Blick 2016“. Mit ihr erhalten wir einen weiteren – zum wievielten Mal eigentlich – Befund, in dem die österreichische Schule als dringend reformbedürftig, veraltet, vernachlässigt und zugleich überdurchschnittlich teuer beschrieben ...


EDUCULT im Gespräch mit Osama Zatar

Osama Zatar wurde 1980 in Ramallah/Palästina geboren. Unüberwindbare Hindernisse im Konflikt zwischen Israel und Palästina machten ein Leben mit seiner israelischen Frau Jasmin Avissar, die als freischaffende Tänzerin und Choreographin tätig ist, in seiner Heimat unmöglich. Nach einem Zwischenstopp in Deutschland führte sie ihr Weg nach Österreich, wo Osama Zatar ...


Wir alle müssen nach Reims zurückkehren

Es gibt eine Schwarz-Weiß-Fotografie von mir als zehnjährigem Jungen. An einem Rechen gelehnt stehe ich mit meinen Großeltern vor ihrem Schrebergartenhaus am Rande von Wien. Die Kamera (meines Vaters?) fängt die ganze Ärmlichkeit der Lebensverhältnisse ein: Meine Großeltern lebten weitgehend unter Subsistenz-Bedingungen: d.h. die Früchte des Gartens bildeten die ganzjährige ...


Über das schleichende Ende von KulturpotentatInnen

Es begann alles mit Peter Noevers selbstherrlichen Managementpraktiken im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK). Mit den Jahren ist seine dortige Tätigkeit zunehmend darauf hinausgelaufen, Berufliches und Privates gleich zu setzen. Mit seinem unerwarteten Rücktritt im Februar 2011 kam der Künstler-Direktor der überfälligen Entscheidung der kulturpolitischen Verantwortlichen Claudia Schmied zuvor, ...


Es bedarf mehr! oder Liessmann (muss) weiterdenken

In diesen Tagen las ich eine hymnische Kritik der „1001 Nacht“-Trilogie des portugiesischen Filmemachers Miguel Gomes. Er wird darin präsentiert als einer, der wüsste, dass Fiktionen und Fabulierlust die Probleme der Gegenwart, in der er lebt und arbeitet, nicht lösen könnten. „Ich hätte gerne einfach nur wundervolle und verführerische Geschichten ...


EDUCULT im Gespräch mit Ulduz Ahmadzadeh

Geboren 1981 in Teheran, ging Ulduz Ahmadzadeh schon früh ihrer, im Iran verbotenen Leidenschaft des Tanzens nach. Heimlich nahm sie privaten Tanzunterricht und schaffte es mit der Gruppe Harekat als Tänzerin aufzutreten (1999-2004), woraufhin sie inhaftiert wurde. Nach einem abgelegten Versprechen nicht wieder tänzerisch tätig zu werden, gelang es ihr ...


Kulturelle Bildung in Zeiten des Kampfes gegen eine etablierte Mitte

Dieser Text entstand unter Schock. Soeben wurde der Ausgang des britischen Referendums bekannt gegeben, der davon erzählt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Europäische Union verlassen will. Dies bedeutet die größte Veränderung im Zusammenleben in Europa seit dem Fall des Eisernen Vorhangs, deren Folgen heute in keiner Weise abgeschätzt werden ...


4,99 Euro sind nicht genug

In diesen Tagen wirbt der schwedische Textilriese Hennes & Mauritz (H&M) in Österreich mit einer Bikinihose um 4,99. Jeder/jede Käufer/in, der/die auch nur halbwegs bei Verstand ist, weiß, dass ein solcher Preis lohngerechten Herstellungskosten in keiner Weise zu entsprechen vermag. Stattdessen ist der Preis von 4,99 unmittelbarer Ausdruck eines Ausbeutungsverhältnisses, ...


Die Angst geht um

„Ohne die Anderen kein Selbst, ohne Ambiguität keine Identität, ohne Verzweiflung keine Hoffnung, ohne Anfang kein Ende. Dazwischen ist die Angst.“ (Heinz Bude) Bei wohl keiner anderen Wahl spielte das Thema Angst eine derart bedeutsame Rolle wie bei der zwischen Alexander van der Bellen und Norbert Hofer. In den Analysen wurde ...


EDUCULT im Gespräch mit Sakîna Teyna

Sakîna Teyna ist eine kurdische Sängerin und setzt sich in ihren künstlerischen und auch politischen Aktivitäten wesentlich für Frauen- und Menschenrechte ein. In der Türkei war sie Mitglied des Mesopotamien Culture Centre, einer Vereinigung kurdischer Künstler in Istanbul, deren Mitglieder zu einer Zeit als die kurdische Sprache noch verboten war, ...


Kulturelle Bildung in einem Emerging State

„Möchtest du an einem Projekt mitwirken, das sich um kulturelle Bildung im Kosovo bemüht?” – Diese überraschende Anfrage kam vor einigen Wochen von unserer langjährigen Partnerorganisation interarts mit Sitz in Barcelona, die seitens der EU mit der Durchführung von „Culture for All“ beauftragt ist. Bereits kurz nach meiner Zusage saß ich ...


Denke über den Tod nach. Es ist etwas Großartiges, den Tod zu erlernen. (Seneca)

Zu meinem Geburtstag habe ich ein kleines Büchlein mit dem Titel „Von der Lust zu leben“ geschenkt bekommen. Es finden sich darin eine Reihe kluger Anleitungen zum Leben aus der Feder antiker Autoren. Als ich auf das Kapitel „Leben und Tod“ gestoßen bin, war ich fürs Erste irritiert: Ausgerechnet anlässlich ...


EDUCULT im Gespräch mit Linda Zahra und Alfoz Tanjour

Linda Zahra und Alfoz Tanjour mussten 2012 Syrien verlassen, nachdem sie bei Demonstrationen teilgenommen und einige kritische Filme gemacht hatten. Nach einem Zwischenaufenthalt in Beirut kamen die beiden Künstler 2014 mit ihren zwei Kindern nach Wien, wo Linda Zahra sich nun als Fotografin verwirklichen kann und bereits drei Ausstellungen ihrer ...


LehrerInnenausbildung Neu und soziale Ungleichheit

In diesen Tagen erschien in der Wiener Programm-Zeitung „Der Falter“ der berührende Bericht eines Lehrers mit dem Titel „Du weißt gar nicht, wo Du anfangen sollst“. Hier erzählt einer von der  ganzen Überforderung des Lehrerseins in einer Neuen Mittelschule. Der Lehrer ist ganz offensichtlich in einem Schulsystem tätig, das den ...


„Es herrscht Krieg zwischen Reich und Arm“¹

Hat man viel, so wird man bald / Noch viel mehr dazu bekommen. / Wer nur wenig hat, dem wird / Auch das Wenige genommen. Wenn du aber gar nichts hast, / Ach, so lasse dich begraben — / Denn ein Recht zum Leben, Lump, / Haben nur, die etwas haben.   (Weltlauf ...


Aufruf zur Gründung einer Gesellschaft der kulturlosen Gesellinnen und Gesellen

Bei der ersten offiziellen Begegnung zwischen der deutschen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und FPÖ-Chef HC Strache meinte dieser u.a.: „Der Islam war und ist nie Teil von Europa gewesen.“ Er, der aus Wien komme, wisse, wie sich Belagerung anfühle. Bei seinen Aussagen kennt er keine Hemmung, sich zu gewählten politischen VertreterInnen ...


Nieder mit d(ies)er Kultur! Es lebe die Kunst!

Was sind das für Zeiten, wo/Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist/Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt! (aus „Wir Nachgeborenen“ von Bertold Brecht) Die politische Landschaft Europas verändert sich zurzeit grundlegend. Immer mehr Länder des alten Kontinents stehen vor rechtspopulistischen Herausforderungen, die bislang bewährte politische Konsensmodelle in ...


Was ist österreichisch?

Selten ist es mir so schwer gefallen, einen Blog zu beginnen. Vorgenommen habe ich mir das Thema „Was ist (für mich) österreichisch?“ und ganz offensichtlich ist die Frage so stark mit nur schwer fassbaren Gefühlen aufgeladen, verweist auf tief verinnerlichte Bindungen, sodass sich mir eine einfache und unbelastete Antwort verweigert. Ich ...


EDUCULT im Gespräch mit Johnny Mhanna

Johnny Mhanna ist 24 Jahre alt und stammt aus Syrien. Im Bürgerkrieg hat er bereits seinen Vater verloren, das Assad Regime hat ihn einfach verschwinden lassen. Er selbst wäre zum Kriegsdienst gezwungen worden, was ihn 2012 in die Flucht getrieben hat. Als professioneller Schauspieler spielte Johnny Mhanna bereits in zahlreichen Theater- ...


Schönheit zwischen „Mehr als schön ist nichts“ und „Mehr als schön ist alles“

„Mehr als schön ist nichts“ - Mit diesem Satz beginnt der neue Roman von Martin Walser „Der sterbende Mann“. So ein Satz muss einem erst einmal einfallen, hab ich mir beim ersten Lesen gedacht. Und einen solchen Satz auch noch ganz an den Anfang zu stellen, das ist schon mehr ...


„Warum soll mich das jetzt noch groß interessieren“

Den Ausgangspunkt zu den Überlegungen des Symposiums „Kulturpolitik im Neoliberalismus“ bildete die Tatsache, dass im österreichischen Kontext kultur- und integrationspolitische Fragen nach wie vor weitgehend unvermittelt verhandelt werden. Das aber bedeutet, dass weite Teile des Kulturbetriebs bislang die dramatischen demographischen Veränderungen, die  die europäischen Gesellschaften kennzeichnen, allenfalls an seinen Rändern ...


Kulturpolitik im Neoliberalismus !?

Vor einigen Tagen organisierte die Österreichische Gesellschaft für Kulturpolitik zusammen mit ihrer deutschen Schwesternorganisation ihre Wintertagung mit dem Titel „Kulturpolitik im Neoliberalismus“. Ich durfte eine der Podiumsdiskussionen moderieren, an denen die Künstlerin Eva Schlegel, der Künstler und Initiator von Public Netbase Konrad Becker und der Performancekünstler und  Utopieforscher Otmar Wagner ...


„Ach, die Werte“

„Ach, die Werte“, so lautet der Titel eines Buches des deutschen Erziehungswissenschafters Hartmut von Hentig, das er 2007 veröffentlichte. Er weist darin die Zuschreibung der Aufgabe von Schule zurück, Werte zu vermitteln, wenn diese nicht von der Gesellschaft getragen würden: „Die Verantwortung für das, was eine demokratische Regierung tut, trägt ...


Die Welt ändert sich und wir uns mit ihr

„Es gilt bei den Germanen als Sünde, einem Menschen sein Haus zu verschließen, wer es auch sei; jeder empfängt ihn mit einem seinen wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend reich zubereiteten Mahle. Sind die Vorräte aufgezehrt, dann weist der, der eben noch Gastgeber war, den Weg zu einem anderen gastlichen Hause und geht ...


EDUCULT im Gespräch mit Adel Dauood

Adel Dauood wurde 1980 in Al-Hasakah in Syrien geboren. Von 1998 bis 2011 absolvierte er Studien am Zentrum der Bildenden Künste in Al-Hasaka sowie am Institut für Bildende Künste an der Universität Damaskus. Vor drei Jahren flüchtete Adel Dauood von Syrien nach Wien, wo er nun als Künstler arbeitet und ...


Plädoyer für den Einsturz der Festung Europa

Es könnte sich in diesen Tagen lohnen, nochmals die beiden Bände Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ aus dem Jahr 1945 hervorzuholen. Popper war 1937 vor der drohenden Naziherrschaft nach Neuseeland geflohen und trat in Christchurch eine Professur an. Als Exilant verfasste der Philosoph, dessen nahe Verwandten allesamt ...


EDUCULT im Gespräch mit Bagher Ahmadi

Bagher Ahmadi ist mit 2012 im Alter von 16 Jahren nach dreijähriger Flucht aus Afghanistan nach Österreich gekommen. Nach Aufenthalten in Traiskirchen und in einem Flüchtlingsheim für unbegleitete Minderjährige in Oberösterreich verfolgt Bagher Ahmadi nun ambitioniert seinen Berufswunsch, Schauspieler zu werden. Er studiert seit März 2015 an der Linzer Film- ...


Sie säen Angst vor Flüchtlingen und ernten die Dritte Republik

Die jüngsten Wahlergebnisse in den Bundesländern Steiermark und Oberösterreich berichten von einem sich verfestigenden Trend. Während die ehemaligen staatstragenden Großparteien SPÖ und ÖVP in beiden Bundesländern gemeinsam  je rund 18% der Wählerstimmen verlieren, gewinnt die Protestpartei FPÖ 16% dazu. Die Ausgangslage scheint ziemlich egal zu sein: Während es in der ...


Über das Verstummen eines pädagogischen Vordenkers

In diesen Tagen erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Beitrag des Schweizer Erziehungswissenschafters Jürgen Oelkers mit dem Titel „Hoffnung und Sturz“ zum 90sten Geburtstag Hartmut von Hentigs. Der Bericht endet mit dem Wort „ratlos“. Oelkers rühmt die Verdienste des wahrscheinlich einflussreichsten Reformpädagogen der deutschen Nachkriegszeit, der sich sowohl theoretisch als auch ...


Über Interessen, Haltungen und Anpassungsleistungen

Vor wenigen Tagen hat die langjährige Bezirksvorsteherin des 1. Wiener Gemeindebezirkes Ursula Stenzel bekannt gegeben, ihrer angestammten politischen Heimat ÖVP künftig den Rücken kehren und sich der FPÖ zuwenden zu wollen. Sie war zuvor von der konservativen Partei nicht mehr an einem wählbaren Listenplatz gereiht worden. Diese Kränkung aber wusste ...


Universität zum Abgewöhnen

In diesen Tagen unterzog sich meine Tochter einem Aufnahmetest an der Universität Wien. Ihr Bericht erinnerte an Eindrücke des Films von Erwin Wagenhofer „Alphabet“ zum Umgang mit SchülerInnen in Massenerziehungslagern irgendwo in China. Im Umgang mit der angesagten Menge an Interessierten setzte die private Firma, die den Test ausgerichtet hat, ...


EDUCULT im Gespräch mit Ahmad und Mohammed

Ahmad und Mohammed, zwei Brüder aus Syrien, sind vor einigen Monaten nach einer langwierigen und streckenweise gefährlichen Flucht in Österreich angekommen. Nach zwei Monaten im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen konnten die beiden in eine Wiener Privatwohnung umziehen, die ihnen einer ihrer neuen österreichischen Freunde zur Verfügung gestellt hat. Derzeit trifft man die ...


Die Würde des Menschen und die ungebrochene Macht der sinnlichen Erscheinung

Es ist in diesen Tagen nicht möglich, welches Thema auch immer zu verhandeln, ohne dass es von Bildern des aktuellen Flüchtlingselends überlagert würde. Der Krieg rückt Europa näher und macht deutlich, dass dieses Friedensprojekt auf die Konsequenzen kriegerischer Entwicklungen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft nur sehr unzureichend vorbereitet ist. Umso beeindruckender ...


Nichts Neues aus Allensbach

Der Deutsche Rat für Kulturelle Bildung hat in diesen Tagen die Ergebnisse einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach zum Kulturverständnis, kulturelle Interessen und Aktivitäten von 15- bis 16-jährigen SchülerInnen veröffentlicht. Unter dem Titel „Jugend/Kunst/Erfahrung. Horizont 2015“ weist die Studie einmal mehr auf die sozialen Differenzen hin, die das gebrochene ...


Mehr kulturelle Bildung – ja, bitte!

In diesen Tagen moniert der Deutsche Rat für kulturelle Bildung die Einhaltung des Regierungsvertrags der Großen Koalition aus dem Jahr 2013, in dem ein politisches Bekenntnis zur „gleichen kulturellen Teilhabe von allen Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ festgeschrieben wurde. Angekündigt wird eine Studie des Instituts Allensbach, die „relativ dramatische und ...


Endzeit und Überdruss

Eine politische Endzeitstimmung hat das Land erfasst. Es ist, als ob nichts mehr ginge, jedenfalls in die richtige Richtung. Ich kann mich noch gut an eine Aussage eines führenden SPÖ-Politikers zu Ende der 1980er Jahre erinnern, der damals angesichts des kometenhaften Aufstiegs Jörg Haiders bei gleichzeitiger Unfähigkeit seiner Partei, darauf ...


Jeder/jede ist irgendwie anders

Wien befindet sich zurzeit im Toleranztaumel. Scheinbar alles dreht sich um den Song Contest, den die transgender Figur Conchita Wurst mit ihrem überraschenden Sieg im vorjährigen Durchgang in Kopenhagen ins traditionelle Kulturzentrum im Herzen Europas gebracht hat. Und so tummeln sich auf der Bühne der Stadthalle allerlei Andersartige seien es ...


Von Wanderjahren und Museumsselfies

„Access to Culture“ heißt ein europäisches Forschungs- und Kooperationsprojekt, das sich als Politikfeldanalyse zum Zugang zu Kunst und Kultur versteht. Von NutzerInnen, ProduzentInnen und politischer Mitsprache ist da die Rede, von „five aspects of access to culture“, von der steigenden Relevanz des Privatsektors und nicht zuletzt davon, dass „access“ eine ...


Kaiser im Lehnstuhl

Eine Kollegin erzählte mir, sie habe an einem Geburtstagsfest des 86jährigen Joachim Kaiser teilgenommen. Im Haus wäre es dem Anlass entsprechend laut zugegangen, die BesucherInnen hätten sich unterhalten, gelacht und so das Haus mit Leben erfüllt. Der legendäre Musikkritiker hingegen sei - ganz unbeeindruckt von all dem Geschehen rundherum - ...


Zwischen Herumirren und Abseitsstehen

2012 war EDUCULT eingeladen, eine Evaluierung des Kunst- und Kulturprogramms des von George Soros betriebenen Open Society Institutes vorzunehmen. Das Unternehmen führte mich u.a. nach Kirgistan und Kasachstan, damit in Länder Zentral-Asiens, über die ich zugegeben bislang kaum etwas wusste. Unverständlich eigentlich, ähnelt die grandiose Landschaft Kirgistans doch in vielem ...


Tot, einfach nur tot – Versuch über die Endlichkeit als kulturellen Wert

150 Menschen sterben in einem Flugzeugunglück unter Umständen, die bislang niemand für möglich gehalten hat. Es trifft Junge, Alte, Gebildete, Einfältige, Reiche, Gruppen, Paare, Alleinstehende, Arme, Kreative, Sicherheitsbedürftige, Lustige, Traurige, Gläubige, Ungläubige gleichermaßen unverdient. Sie alle haben, ungeachtet ihrer individuellen Eigenschaften, das Ende ihres Lebens erlebt. Ihre unterschiedlichen Charakteristika haben ...


Ostermayer post portas

Historische Phasen haben es so an sich, dass man ihnen nicht ansieht, wenn sie an ihr Ende kommen. Kontinuitäten in den äußeren Erscheinungsbildern täuschen nur zu leicht darüber hinweg, dass sich dahinter bereits ganz andere Szenarien abzeichnen. Dieser Verdacht hat mich bei der Lektüre von Rüdiger Wischenbarts jüngstem Kommentar über ...


Hauptsache Messen

Messen ist super. Mehr: Messen ist überlebenswichtig geworden. Denn es gibt kein Leben außerhalb seiner Messbarkeit mehr. Unsere Weltwahrnehmung scheint in zunehmendem Maße darauf fokussiert zu sein, was an ihr gemessen werden kann. Was hingegen nicht gemessen werden kann, das existiert nicht. Und sein Nichtvorhandensein wird im Zeitalter umfassender Quantifizierung ...


Der Kulturbetrieb brennt!

Wir wollen es uns gar nicht vorstellen: Zentrale Kultureinrichtungen öffnen ihr Angebot für neue Zielgruppen und die Begünstigten haben nichts anderes im Sinn als diese zu zerstören. Noch eine Denkunmöglichkeit in Wien, bereits Realität in anderen Kulturmetropolen: Da ist z.B. die Bibliothek in Clamart, einem südlichen Vorort von Paris. Gebaut wurde ...


Auf der Suche nach Alternativen

An den Rändern Europas brodelt es. Schon dringt der Lärm der Kanonen bis in unsere heimeligen Wohnzimmer und immer mehr junge Menschen erklären sich bereit, am gewaltsamen Kampf hier oder anderswo teilzunehmen. Das permanente Waffengeklirr auf den Bildschirmen relativiert zunehmend die Illusion, zumindest im Zentrum des Kontinents sei der Krieg ...


Über Weinen und Lachen

Es muss etwas Großes, etwas sehr Großes passiert sein. Mehr als 50 Regierungschefs, die sonst wenig Skrupel haben, im Konfliktfall auch Waffen gegeneinander zu richten demonstrieren in einer medialen Inszenierung Einigkeit gegen den Terror. Von ihnen abgeschottet repräsentieren 1,5 Millionen PariserInnen das Wiedererstarken einer brüchig gewordenen „unité nationale“. Was aber macht ...


Als Wissen an Wert verlor und Bildung hässlich wurde

In diesen Tagen stieß ich auf eine sehr negative Einschätzung des französischen Schulsystems des „PISA-Papstes“ Andreas Schleicher. Hängen geblieben bin ich bei dem Satz: „Le monde moderne se moque bien de ce que cous savez. Il a besoin de gens créatifs, capables de croise les sujets quand l‘école française fait ...


Kultur ade?

Es ist schon wieder eine Weile her, dass den Staat die Frage interessiert hat, wie es denn die BürgerInnen mit Kunst und Kultur halten würden: Das 2007 vom Sozialforschungsinstitut „ifes“ erstellte „Kulturmonitoring“ ließ u.a. mit dem Befund aufhorchen, die Zustimmung zu staatlicher Kunst- und Kulturförderung sei im Sinken begriffen und finde ...


Statt einer Weihnachtsgeschichte: Was wir von ungarischen Jugendlichen lernen können

Vor dem letzten Run auf Weihnachten habe ich mir und meiner Familie drei Tage in einem Hotel in der südlichen Steiermark gegönnt. Die Broschüre des Hotels verweist auf 167 Produkte, die als Teile des Frühstücksbuffets angeboten werden. In der Tat haben sich zum Einstieg in den Tag die Tische mit ...


Leidenschaften, Floskeln und Mitwirkung – Mehr „mit“, weniger „für“

Manchmal denke ich mir, wir sind verrückt geworden. Dieser Eindruck überkam mich jedenfalls im Film „Die geliebten Schwestern“ von Dominik Graf, als in der Szene der Antrittsvorlesung an der Universität Jena der Darsteller Friedrich Schillers mit wenigen Sätzen deutlich machte, um wie viel weiter (oder näher dran) Menschen in ihrer ...


30 Cent für kulturelle Bildung sind nicht genug!

Die Wut über den Zustand kultureller Bildung geht um. So meinte Nikolaus Harnoncourt in einem jüngst veröffentlichen Pamphlet: „Heutige Bildungspolitiker kennen nur ein Ziel: den funktionierenden Menschen. Es geht darum, Kinder zu besseren Ameisen heranzuziehen…Das halte ich für verbrecherisch“. Aber von Anfang an: Noch vor ein paar Jahren herrschte in Sachen ...


Ebola

Vor rund zehn Monaten wurde zum ersten Mal bei einem Kleinkind in Guinea die tödliche Seuche Ebola diagnostiziert. Bereits vier Tage später ist das Kind gestorben, bald nach ihr ihre Schwester, die Mutter und die Großmutter. Die Weltgesundheitsorganisation spricht in diesen Tagen von rund 4.500 Todesfällen. Darüber hinaus gelten rund ...


Das Gwirxt mit der Kunst

Wenn mich nicht alles täuscht, dann zeichnet sich ein neues Interesse an „Kunst“ im Diskurs kultureller Bildung ab. Gefördert wird dieses u.a. durch die Bereitschaft einer Kulturpolitikforschung, nunmehr auch kulturelle Bildung in den Kanon ihrer Forschungsfelder aufzunehmen. Lange Zeit war das ein Thema, das auf Grund seiner vorrangig advokativen Ausrichtung ...


Beobachtungen und Eindrücke von der ICCPR 2014 in Hildesheim

Wissenschaftliche Großveranstaltungen dieser Art sind nur schwer zu überblicken. Auch in diesem Fall, bei der „iccpr“ 2014 in Hildesheim, gab es mehr als 200 Einzelpräsentationen aus unterschiedlichsten kulturpolitischen Blickwinkel, die auf bis zu 14 parallele Sessions aufgeteilt waren (siehe dazu das Detailprogamm). Naturgemäß machen sich – auch im Vergleich zu ...


Das Ende der Demokratie ist das Ende Europas

Die Zeiten sind beunruhigend. Ich gebe zu, dass mich in diesem Sommer mit den alarmierenden Berichten zu den Krisen in aller Welt eine Unruhe erfasst hat, die ich nur mit anschwellender Angst beschreiben kann. Es ist, als zwänge mich das Geschehen als ein Privilegierter, der nie einen Krieg erlebt hat, ...


Sind es in erster Linie Widersprüche, die kulturelle Bildung konstituieren?

In den letzten Wochen war ich eingeladen, eine Reihe von sogenannten Akteursforen zum Thema kulturelle Bildung zu moderieren. Die Stiftung Mercator zusammen mit einer Reihe weiterer Stiftungspartner ermöglichte es jeweils rund 20 VertreterInnen des schulischen und außerschulischen Bereichs, der Politik, Verwaltung, von Stiftungen und Verbänden sowie der Wissenschaft jeweils einen ...


Vor dem großen Krach?

Es ist jetzt rund 15 Jahre her, dass die großen Kultureinrichtungen der Republik Österreich ihre Rechtsform geändert haben und in die sogenannte Vollrechtsfähigkeit entlassen wurden. Der Kulturökonom Peter Tschmuck hat  in „Die ausgegliederte Muse“ den Ausgliederungsprozess im Detail analysiert und auf seine Wirkungen hin untersucht. Das Ende der Fahnenstange scheint erreicht Spätestens ...


Der Geist weht wohin er will

In der Süddeutschen Zeitung stellt Heribert Prantl einen prekären Zusammenhang zwischen dem Wahn der beliebigen Verfügbarkeit von Daten und der dadurch verursachten Hemmung von Kreativität her. Zu Beginn seiner Eloge auf Edward Snowden („Edward Snowdens Pfingstwunder“) zitiert er Bert Brecht. Dieser konnte – aus durchaus pragmatischen Gründen – mit Pfingsten ...


„Das größte Glück besteht vielleicht darin, dass etwas unverändert bleibt“ (Tomas Espedal)

Vielleicht haben Sie auch schon einmal in einer der zahlreichen Veranstaltungen irgendwo in Europa teilgenommen, in denen „Kreativität“ als die Ressource des 21. Jahrhunderts schlechthin gepriesen wurde und vor allem eines zum Ergebnis hatte – die Schaffung von Langeweile bei den ZuhörerInnen. Kein politisches Programm in diesen Tagen, das „Kreativität“ ...


Stummheit und Mitwirkung – Wie auf Persönlichkeitsentwicklung abzielende Bildung dem traditionellen Kulturbetrieb den Boden unter den Füssen wegziehen könnte.

Als Agnostiker ist mir bewusst, welch anhaltend großen Einfluss die katholische Kirche auf unser Zusammenleben hat. Um mich daran zu erinnern, besuchte ich in Stift Geras den Gottesdienst in der Osternacht. Ich gebe zu, ein wenig kam ich mir wie ein Voyeur vor, der an einem Ritual teilnimmt, bei dem ...


„Warum Musik traurig macht“ (frei nach George Steiner)

Nach einem langen Tag vollgepackt mit Gesprächen über den Nutzen kultureller Bildung in Sachsen fand ich mich gegen Abend in einem der typischen Flughafenräume wieder, die in ihrer ästhetisch aufdringlichen Bedeutungslosigkeit die BesucherInnen auf ihre Rolle als mehr oder weniger stumpfsinnig Wartende festlegen. Also packte ich mein iPhone aus und ...


Zur Konferenz „Cultural Policies in Cities“ an der Universität für angewandte Kunst Wien

Die Szenerie erscheint auf den ersten Blick mehr skurril: Ausgerechnet im ehemaligen Refektorium des Klosters im Wiener Heiligenkreuzer Hof finden sich an den Wänden künstlerische Positionen, mit denen der Kurator Shaheen Merali im Rahmen seiner Ausstellung „Fragile Hands. A Curatorial Essay on Stated Subjectivities“ politische und soziale Veränderungen aufzeigen möchte, ...


Geschichten aus einem kleinen Österreich, dessen führendes Personal gerne der Versuchung unterliegt, sich größer zu machen.

Zwei Formen großangelegter Malversationen konnten sich zuletzt über eine breite öffentliche Aufmerksamkeit nicht beklagen. Da ist zum einen der Zusammenbruch einer regionalen Bank, dessen Wirkungen drauf und dran sind, den österreichischen Staatshaushalt in der Höhe von zumindest 12 Mrd. Euro (so genau weiß das niemand) nachhaltig zu beschädigen. Und da ...


Voneinander lernen – Miteinander tätig sein: EDUCULT verstärkt sein Team mit Gottfried Eisl als kaufmännischem Leiter

Es muss jetzt schon mehr als zwanzig Jahre her sein, dass der Österreichische Kultur-Service vom damaligen Unterrichtsministerium beauftragt worden ist, ein Projekt „Miteinander leben – Voneinander lernen“ durchzuführen. Die Bildungspolitik reagierte damit erstmalig auf den Umstand, dass die Klassenzimmer immer bunter wurden und eine Ahnung davon aufkam, dass der Erfolg ...


Über das Leben, über die Kunst und über ihre ökonomische Überformung

„Every performance you give is a kind of pregnancy and you have to dream, you have to wait, until the miracle is happening. If you are not like this in music, you lose the central idea of music. Music is not a profession, is not a reproduction, it is a ...


Machtversuchungen und kulturelle Bildung

„Die Formen von Herrschaft, die hier wirken und alle Einteilungen vorgenommen haben, sind längst wie unsichtbare Anweisungen in die Hirne graviert, auf dass sie sich selbst vervielfältigen und schließlich wie Naturgesetze erscheinen“ (Pierangelo Maset, Beauty Policy). Vom 12. bis zum 14. Februar trafen sich politische EntscheidungsträgerInnen, ForscherInnen und andere Fachleute aus ...


„Wollen hätt‘ ma schon, aber dürfen haben wir uns nicht getraut“ – Karl Valentin

„Ich finde das ja alles merkwürdig, diese Sparpläne. Da werden Ministerien zusammengelegt und Etats gekürzt. Dabei handelt es sich um außerordentlich wichtige Ministerien. Bildung und Kunst und Forschung sind meiner Meinung das Wichtigste überhaupt.“ (Helmuth Lohner im Kurier-Interview vom 2. Februar 2014) In wenigen Tagen ist es soweit. Dann wird das ...


Reden über die Salzburger Festspiele

„Im Bereich der Kunstvermittlung sind in den letzten Jahren kaum Erfolge zu ersehen“. Ich gebe zu, dass ich einigermaßen überrascht war über diese Wortmeldung des früheren Kunstministers Rudolf Scholten, die dieser im Rahmen einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung zu möglichen Visionen der Salzburger Festspiele äußerte. Sie blieb weithin unkommentiert. Allein die Präsidentin ...


8. Jahrestagung des Fachverband Kulturmanagement: Dispositive der Kulturfinanzierung

Irgendwann fiel der Satz: „Kann mir eigentlich mal jemand erklären, was Neoliberalismus ist?“ Damit war das Gespenst benannt, das während der 8. Jahrestagung des Fachverbands Kulturmanagement vom 16.-18. Jänner 2014 im Raum stand. Thema waren die Dispositive der Kulturfinanzierung, verkürzt gesagt das Foucault’sche Konglomerat an Überzeugungen, die unsere Entscheidungen und ...


Geschichte im Vergleich – Zwischen aufgeregtem Interesse und beharrlicher Amnesie

Der Erste Weltkrieg ist „in“.  In diesen Tagen werden die Feuilletons der Nachrichtenmedien von der hundertsten Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkrieges beherrscht. Die Zeitung Der Standard etwa machte sich mit Hilfe seiner LeserInnen auf die Suche nach privaten Photos und veranstaltet eine prominent besetzte Podiumsdiskuskussion zu den Auswirkungen des ...


„Österreich als Versuchsstation des Weltuntergangs“ (Karl Kraus)

Das Christkind schenkt Österreich eine neue Regierung. Knapp vor Weihnachten hat der österreichische Bundespräsident eine Koalitionsregierung  aus Sozialdemokraten und Konservativen angelobt, die beide zusammen  bei den letzten Nationalratswahlen gerade noch auf etwas mehr als 50% der Wählerstimmen gekommen sind. Im Vergleich dazu waren es  in den 1950er Jahren noch rund ...


Alles privatisieren!

Die jüngst beschlossene außerordentliche Subvention an die Vereinigten Bühnen Wien hat Staub aufgewirbelt. Immerhin. Zu offensichtlich wurde da die haarsträubende Ungleichbehandlung des etablierten Kulturbetriebs durch die offizielle Kulturpolitik im Vergleich zu einer prekarisierten Freien Szene. Auch wenn der für Kultur zuständige Wiener Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny zur öffentlichen Verteidigung angetreten ist: ...


Wünsch Dir was

Vor ein paar Tagen war es wieder soweit. Die SPÖ-nahe  Österreichische Kulturpolitische Gesellschaft lud zu einer abendlichen Diskussion über die kommende Ressortverantwortung für Kunst und Kultur in die Universität für Musik und darstellende Kunst ein. Viele waren gekommen, vermutlich in erster Linie, um mehr zu erfahren über geplante kulturpolitische Schwerpunktsetzungen ...


„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ (Ingeborg Bachmann)

Diesmal ein paar grundsätzlichere Bemerkungen. Anlass dafür ist ein Workshop zum Thema „International Perspectives of Research in Arts Education“, der vor einigen Tagen vom Deutschen Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Bonn ausgerichtet worden ist. Einen Schwerpunkt der Diskussionen bildeten Versuche der Darstellbarkeit bzw. Messbarkeit des impact von arts ...


„Alphabet“ – Der Künstler als Rechthaber

Der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer hat sich mit „We Feed the World“ und „Let’s Make Money“ einen Namen als einer der erfolgreichsten Dokumentarfilmer gemacht. Jetzt hat er sich in „Alphabet“ des Themas Bildung angenommen. Darin lässt er uns einen Blick in die schaurigen Abgründe der Bildungslandschaften der Welt werfen. Davon ...


„Seid umschlungen Millionen“ aber Achtung: „Dieser Kuss“ kann tödlich sein

In diesen Tagen feiert das Wiener Konzerthaus die hundertste Wiederkehr seiner Errichtung. Im Rahmen eines Festkonzerts erklang - wie schon 1913 – Beethovens 9. Symphonie, die mit der Ode an die Freude endet, mit der „Millionen umschlungen und der ganzen Welt ein  Kuss aufgedrückt wird“. Dirigiert wurden die Wiener Philharmoniker ...


„Ist es hier immer so finster?“

Etwas versteckt in der „Enfilade“ der Prunkräume des Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen befindet sich ein kleiner dunkler Raum. Der Zugang erfolgt über das „Paradeschlafzimmer“. Am „Paradebett“ vorbei, das laut Prospekt ausschließlich zeremoniellen Charakter hatte, gelangt man in einen vergleichsweise winzigen Raum, der sich mit seinem Altar als Kapelle ...


Diesmal in eigener Sache – Christoph Musik mit der Assistenz der Geschäftsführung beauftragt

Beim Einstellungsgespräch für die Position des neuen Geschäftsführers wurde ich von Christoph Musik gefragt, worin denn die treibende Kraft für die MitarbeiterInnen am EDUCULT-Projekt bestehe. Reflexartig  habe  ich mich in einer typischen „Aufzugssituation“ gesehen, um innerhalb von 30 Sekunden aufzuzählen, was EDUCULT auszeichnet: sein unverwechselbares Profil als  außeruniversitäres Forschungsinstitut; die ...


„Ich versteh nichts!“

Unschlüssig steht der Vortragende vor seinem Pult. Er nimmt dann seine Zettel zur Hand und versucht, mit dem mangelnden Licht zu Recht zu kommen. Zuvor waren die Vorhänge im Saal zugezogen worden, um die Projektion sichtbar zu machen.  Daneben werkt zunehmend verzweifelt eine Kollegin am Computer, um die Power Point ...


Über eine Reise an den Rand Europas und den Anspruch, die Kunst der wenigen mit den Kulturen der vielen zu verknüpfen

Wie tief sich doch der Eiserne Vorhang in mich über das Ende der kommunistischen Ära von 1989 hinaus eingegraben hat. Daran musste ich bei meinem jüngsten Besuch in Košice denken. Diese zweitgrößte Stadt der Slowakei liegt ungefähr ebenso weit weg von Wien wie Innsbruck, nur eben in die andere Richtung ...


Am Beispiel Venezuela – Über den politischen und über den musikalischen Blick

Den meisten Medien war der Umstand, dass die USA in diesen Tagen dem venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro für seine Reise nach China die Überflugrechte verwehrt haben und ihm darüber hinaus die Teilnahme an der diesjährigen UN-Vollversammlung in New York verunmöglichen wollen, nur eine kleine Randnotiz wert. Der Grund für die ...


„Der große und der kleine Spindi“

„Wir leben eben in einer Mediokratie“, meinte Armin Thurnher in seinem jüngsten Kommentar in der Zeitschrift Falter zum „Kanzlerduell. Das geschwätzigste Schweigen seit Erfindung der Sprache“. Angetan hat es ihm dabei vor allem die Performance des „entfesselten“  ÖVP-Obmannes Michael Spindelegger, der eindrucksvoll vorführte, was ihm seine BeraterInnen auf dem Weg ...


„Und meine Erkenntnis: die Welt in ihrer Gesamtheit nicht so ernst zu nehmen, aber dafür im Detail umso mehr“ (Klaus Maria Brandauer)

Es ist schon eine ganze Weile her, als meine Mutter eine Reise nach Südafrika unternommen hat. Zusammen mit anderen GastwirtInnen verbrachte sie im Land des Apartheid-Regimes nach eigener Erzählung eine wunderbare Zeit. Sie war begeistert vom Essen, vom Service und von der Landschaft. Sie wurde nicht müde, davon zu berichten, ...


(English) Why arts education has to deal with the European crisis

Leider ist der Eintrag nur auf English verfügbar.


Was gibt es Neues? – Heinz Conrads gegen Alexander Pereira, das nenn‘ ich Brutalität

Lange vor dem Entertainer Oliver Baier fragte der legendäre Conferencier Heinz Conrads jeden Sonntagmorgen in seiner Radiosendung „Was gibt es Neues?“.  In seiner „singenden, klingenden Wochenplauderei“ begrüßte er über Jahrzehnte hinweg seine ZuseherInnen mit „Küss die Hand die Damen, guten Abend die Herren, guten Abend die Madln und Servas die ...


„We all are living and breathing culture all the time” (Jordi Marti)

Vor ein paar Tagen erzählte der Direktor des Wien.Museums Wolfgang Kos in einem Radiointerview über die aktuelle Ausstellung seines Hauses „Wiener Typen Klischees und Wirklichkeit“. Die Präsentation rankt sich um die  Romantisierung von Berufsbildnern wie Schusterbuben, Wäschermädel, Scherenschleifer oder Lavendelfrauen, die ab dem frühen 19. Jahrhundert ein verunsicherter Mittelstand zur ...


Was den einen genommen wird, wird den anderen gegeben

“At a time when global resources and economies tighten, arts and cultural education has a role in re-inventing, re-visioning, re-searching new and traditional means for engaging communities and especially young people”. So lautete die zentrale Begründung für die Organisation des zweiten „World Summit on Arts Education – Polylogue II“, der ...


Was am Ende zählt ist das Fragen

Vor vierzehn Tagen habe ich mich in diesem Blog mit dem Gesetz gegen Schmutz und Schund aus den 1950er Jahren beschäftigt. Nach den Erfahrungen mit dem Nazi-Regime schien es mir unvorstellbar, dass man sich in den Jahren des demokratischen Wiederaufbaus noch einmal auf die kulturpolitische Maßnahme der Bücherverbrennung als Instrument ...


Ach, Europa!

„Unsere Zeit erinnert sehr an die Auflösung des griechischen Staatswesens. Alles besteht und doch gibt es niemanden, der daran glaubt. Alle wollen herrschen, aber niemand will die Verantwortung übernehmen. Falls Denken in unserer Zeit nicht so etwas Wunderliches, so etwas Angelerntes geworden wäre, so würden Denker einen ganz anderen Eindruck ...


Über ein altes „Gesetz gegen Schmutz und Schund“ aus dem Jahr 1950 und was davon bis heute weiter wirkt

Vor ein paar Tagen fand in Moskau eine Kulturministerkonfrenz zum Thema „Governance of Culture – Promoting Access to Culture“ statt. Nun treffen sich Kulturminister in regelmäßigen Abständen. Dass sie für ihr Treffen in Russland  ausgerechnet den Titel „Governance in Culture“ haben, ist allemal erstaunlich. Das Putin-Regime steht ja für alles ...


Über die alte Wissenschaftsfeindlichkeit in Österreich und die neue Lustigkeit der Wissenschaftsvermittlung

Seit einiger Zeit macht das österreichische Wissenschafts-Kabarett „Science Busters“ - nach eigenen Angaben die „uneingeschränkt schärfste Science Boy-Group der Milchstrasse“ – von sich reden. Die drei Herren Puntigam, Oberhummer und Gruber füllen mit ihren Wissenschaftsvermittlungsprogrammen das Rabenhof-Theater in Wien und werden als mediale Experten gehypt, sei es ihren Senf abzugeben, ...


„Kultur tötet! Tatsächlich!“ („Kultura ubija! Dobesedno!“)

EDUCULT führt zurzeit eine europaweite Recherche zu aktuellen kulturellen und kulturpolitischen Trends durch. Von unseren GesprächspartnerInnen erfahren wir vor allem von massiven Kürzungen der öffentlichen Kunst- und Kulturförderung überwiegend in den krisengeschüttelten Ländern des Südens, die sich bei uns bis in die Massenmedien durchgesprochen haben. Und auch Versuche einer schon ...


„Instabilität ist eine Bedingung von Kreativität“ (Peter Bendixen)

In diesen Tagen organisierte das Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM) ein weiteres Diskursforum Kulturbetriebslehre. Diese jährlich stattfindende Veranstaltung gibt Studierenden des Instituts Gelegenheit, über den Stand ihrer Forschungen zu berichten und über ihre Ergebnisse zu diskutieren. Als Sparringpartner standen ihnen diesmal zwei der vier Autoren der 2012 erschienenen ...


KünstlerInnen und GünstlerInnen

„Wenn einige, die zunächst niemals die Gesamtheit der Bürger sind und am Anfang sogar nur eine winzige Minderheit sein dürfen, obwohl sie objektiv im allgemeinen Interesse handeln, es nicht auf sich nehmen, zu opponieren und die Funktion des Dissidenten auszuüben, dann gibt es nur passive Bürger und schließlich überhaupt keine ...


„Die Wahrheit ist konkret“ (Bert Brecht)

In diesen Tagen fand am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM) der Musikuniversität Wien ein Workshop zum Thema „Kulturarbeit im internationalen Kontext“ statt. Gekommen waren eine Handvoll Studierender, deren Anzahl es leicht mit der der ReferentInnen aufnehmen konnte. Damit bestätigte sich der Befund, der erstmals im Rahmen einer Veranstaltung Ende ...


Kulturpolitik darf nicht „Kugelmugel“ werden

2012 haben Georg Seeßlen und Markus Metz die Streitschrift „Kapitalismus als Spektakel“ herausgebracht. Sie berichten darin von der zunehmenden Indienstnahme des „Ästhetischen“ als Betriebsmittel der aktuellen Wirtschaftsdynamik und machen diesen Befund anhand von red bull oder apple anschaulich. Der Erfolg der Produkte dieser Unternehmen läge immer weniger in ihrem materiellen ...


Und noch eine vernachlässigte Kulturtechnik

Es war beim Abschied von einem Termin mit der Geschäftsführerin einer kleinen, aber feinen Marketing- und PR-Agentur. Ich habe meinen Mantel nicht gleich gefunden. Als er sich schließlich auf dem Kleiderständer zwischen all den Wintersachen zu erkennen gab, ließ sie es sich nicht nehmen, mir hineinzuhelfen. Zum Abschied meinte sie: ...


Zwschwkuuuschtschschschmlsssch – Reden als bedrohte Kulturtechnik

Der Erwerb der elementaren Kulturtechniken in der Schule umfasst traditionell Lesen, Schreiben und Rechnen. Im Vergleich dazu werden andere kulturspezifische Fähigkeiten wie Sich-kleiden, Sich-orientieren, Sich-präsentieren, Gestalten oder Raum-nutzen immer bereits vorausgesetzt: sei es, sie würden in der Familie erlernt werden oder sich ohnehin quasi naturwüchsig aus den SchülerInnen heraus entwickeln ...


Wenn ich von zwei Übeln das geringere wählen soll, dann wähle ich keines“ (Karl Kraus)

Die Auseinandersetzung rund um die Volksbefragung zur Zukunft des österreichischen Bundesheeres geht in die Endrunde. Die Kontrahenten haben ihre Feuerwerke an Pro- und Kontra-Argumenten abgeschossen; jetzt soll das Volk sagen, was es will. Wenn alle Meinungsforscher davon ausgehen, dass nur ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung bereit zu sein scheint, dieser ...


Publikumsbefragung der andern Art: Dürfen, nein sollen Proleten den Wiener Musikverein besuchen?

Die Gesellschaft der Musikfreunde als Trägerin des Wiener Musikvereins begeht in diesen Tagen ihr 200jähriges Bestandsjubiläum. Just in der Endphase der napoleonischen Kriege machte es sich diese private Initiative des Wiener Bürgertums zur Kompensation ihrer politischen Schwäche zu seiner Hauptaufgabe, „die vorhandenen klassischen Werke zur Aufführung zu bringen“. Neben den ...


Warum betreiben Kunst- und Kultureinrichtungen kein Lobbying für die „tägliche Kunststunde“

Bei den Olympischen Sommerspielen in London haben die österreichischen AthletInnen nicht gut abgeschnitten. Nur ein paar Monate später kam es im Parlament zu einer 6-Parteien-Einigung, mit der sich das Hohe Haus unisono für die Einführung einer täglichen Turnstunde in den Schulen ausgesprochen hat. Dazwischen hatten die österreichischen Sportorganisationen, unter ihnen ...


ACHTUNG: Konservative Geisterfahrer unterwegs

Vor einer Woche fand eine Regierungsklausur statt, die von der Forderung nach einer flächendeckenden Einführung der Ganztagsschule in Österreich geprägt war. Bundesministerin Schmied forderte zur diesem Zweck 80 Mio. an zusätzlichen Budgetmitteln – ein Ansinnen, das seitens des konservativen Koalitionspartners mit einem Hinweis auf die Sparziele der Bundesregierung postwendend zurückgewiesen ...


Wie weit Schule schon einmal war und was es noch zu tun gilt

Seit nunmehr dreißig Jahren beschäftige ich mich mit der Idee, KünstlerInnen in den schulischen Unterricht einzubeziehen. Ich erinnere mich an die Anfänge des Österreichischen Kultur-Service als eine Vorfeldorganisation des damaligen Unterrichts- und Kunstministeriums. Er wurde Mitte der 1970er Jahre geschaffen, um vor allem einer jungen KünstlerInnen-Generation neue Möglichkeiten der beruflichen ...


Audience Development in einer ungleichen Welt

Die heutige Tageszeitung „Der Standard“ titelt: „Mehrheit überzeugt: Österreich mangelt es an Gerechtigkeit“. Er beruft sich dabei auf eine telefonische Umfrage, die ergeben hat, dass ausgerechnet diejenige Gruppe, die sich besonders ungerecht behandelt fühlt, bereit ist, dem Oligarchen Frank Stronach ihre Stimme zu geben. Fast ein Wunder: „The Economist“ fordert eine ...


Die Wand, die vom Leben trennt und das Leben ermöglicht

Der an der Universität für angewandte Kunst in Wien lehrende Philosoph Robert Pfaller hat gerade das Buch „Zweite Welten. Und andere Lebenselixiere“ veröffentlicht. Es handelt sich um eine Art Gebrauchsanleitung für ein „richtiges Leben“, das er mit der Fähigkeit verknüpft, eine Balance zwischen Realität und Wunschproduktion aufrechtzuerhalten. In seinem Beitrag „Warum ...


Die pakistanische Schülerin Malala Yousafzai zeigt es uns mit dem Einsatz ihres Lebens vor

Endlich einmal wollte ich den Boulevard loben. Immerhin lässt zurzeit die Kronenzeitung auf Plakaten das Bild eines Herrn Karl Weissenböck (47) affichieren, der sagt: „Meine Kinder verdienen die beste Bildung“. Bislang ist das Sujet nicht auf allzu große Resonanz gestoßen. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob just diese ...


Der Alte und die Politik

Als Topthema der österreichischen Innenpolitik hat sich zuletzt der Einstieg eines agilen Greises in die Parteienlandschaft erwiesen. Mit Frank Stronach verfügt nunmehr auch Österreich endlich über einen Oligarchen, der sich anschickt, mit Hilfe des Boulevards (vulgo „Kravallzeitungen“, Zitat Thurnher) dem politischen System das Fürchten zu lehren. Besseres hätte diesen Aufregermedien ...


Hinweis für KunstvermittlerInnen: „Die allgegenwärtige Kunstvermarktung macht jede echte und spontane Begegnung mit Kunst unmöglich“

Die großen Kultureinrichtungen müssen zurzeit über viel Geld verfügen. Jedenfalls machen sie uns deutlich, wohin die öffentlichen Mittel, die sie für ihren Betrieb erhalten, vorrangig fließen: in die Vermarktung ihres Angebots. Das führen sie uns vor, wenn in zum Teil ganzseitigen Anzeigen ihre Veranstaltungen beworben werden. Und so tritt uns ...


Ja, wir dürfen Fehler machen (lassen), aber wir dürfen dabei keine Fehler machen

Jüngst bei einer Diskussionsveranstaltung zur Förderung kultureller Bildung in der Schule entwickelte Erwin Dorn, Lehrer und pädagogischer Leiter der Projektreihe „I like to move it move it“ die wesentlichen Argumente, die für ein Mehr an Theaterpraxis in und rund um den schulischen Unterricht sprechen. Die größte Zustimmung erhielt er für ...


Die Herren, die Hünderl und die Katastrophen der Öffentlichkeit

Es ist mir mittlerweile eine angenehme Gewohnheit geworden, an der Eröffnung des Brucknerfestes in Linz teilzunehmen. Ich kann da in ein anderes Milieu aus Kulturinteressierten eintauchen, die da jährlich zum Saisonauftakt im Brucknerhaus zusammenkommen: Diese ZuhörerInnen, so mein Eindruck, sind irgendwie bodenständiger, dabei durchaus frohgemut, freundlich und selbstbewusst; jedenfalls ohne ...


Die Fremde, die Kunst und die sozialen Veränderungen

Die Urlaubszeit ist vorbei und wir sitzen wieder an unseren Arbeitsplätzen, um uns auf die neue Saison einzustimmen. Manche Reiseerfahrungen aber lassen jedenfalls mich nicht los, vor allem, wenn sie mich mit Fragen und Einsichten beschäftigen, die ich so schnell nicht vergessen kann und auch gar nicht will. Mich hat während ...


“Vielleicht hat die Musik aufgehört zu spielen, und die Menschen tanzen immer noch weiter”

Dieses dem internationalen Investor George Soros zugeschriebene Zitat bringt den Eindruck, den ich von der letzten International Conference on Cultural Policy Research (ICCPR) mitgenommen habe, auf den Punkt. Zum bereits siebenten Mal versammelten sich rund 300 KulturpolitikforscherInnen aus der ganzen Welt diesmal in Barcelona, um den aktuellen Zustand ihres Faches ...


Bildung, Kultur und Kasinokapitalismus

Der Zusammenhang zwischen der Ausweitung des Glücksspielangebotes und gesellschaftlicher Krisenerscheinungen ist augenscheinlich. Je mehr Menschen in ihrer Verunsicherung und damit verbundener Orientierungslosigkeit die Fähigkeit abhanden kommt, ihr Schicksal in der eigenen Hand zu halten, sind sie geneigt, sich ihrem Schicksal auszuliefern, das zumindest ihren Glauben auf das große Glücksversprechen aufrechterhalten ...


Schule, Demokratie und soziale Integration

Es soll in Zukunft also teuer werden, die Schule zu schwänzen. Die Diskussion um die Erhöhung von Strafbeträgen im Fall von Schulpflichtverletzung (eigentlich Unterrichtspflichtverletzung) war von ÖVP-Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz medienwirksam inszeniert worden. Jetzt zeigt er sich zufrieden darüber, dass die Bildungsministerin seinem Druck nachgegeben hat. Und wir alle bekommen einmal ...


Eine neue Renaissance ist möglich

Jüngst bin ich auf das Buch „Die Wende – Wie die Renaissance begann“ gestoßen. Darin schildert Stephen Greenblatt, Professor für Englische und Amerikanische Literatur und Autor einer faszinierenden Shakespeare-Biographie, die abenteuerliche Entdeckung des letzten Exemplars eines antiken Textes mit dem Titel „de rerum natura“ von Lukrez. Greenblatts Recherchen zufolge hätte ...


Und wenn die Russinnen gewonnen hätten

Im Rahmen der jüngsten Podiumsdiskussion zum Thema Kulturinfarkt – Zwischen Zieldiskussion und Verteidigungskampf meinte der Kulturmanager Peter Rantasa, der schwedische Erfolg beim diesjährigen Europäischen Song Contest lasse sich vor allem auf die systematischen musikalischen Bildungsmaßnahmen, die in Schweden eingeführt worden sind, zurückführen. Auf der Suche nach letzten Strohhalmen zur Begründung kultureller ...


Konkurrenz frisst Gerechtigkeit

Viel wird zurzeit – zumindest im österreichischen Radiosender Ö1 – vom diesjährigen Projekt „Into the City“ der Wiener Festwochen berichtet - eine Art Outreach-Projekt in und um die Quellenstraße in Wien Favoriten, einem traditionellen Arbeiterbezirk, der für sich genommen die viertgrößte Stadt Österreichs bilden würde. In Zusammenarbeit mit der Gebietsbetreuung ...


„Wir spielen immer, und wer es weiß, ist klug“ (Arthur Schnitzler)

„Man muss vor allem authentisch bleiben“, meinte einer der TeilnehmerInnen eines Praxislehrgangs zu Kulturmanagement, als es darum ging, das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden zu beschreiben. Mit dieser Forderung stieß er ganz unmittelbar auf große Zustimmung seiner KollegInnen. Mit dieser Feststellung entsprach er auch den Erwartungen vieler SchülerInnen, die uns ...


Ich zweifle, also gibt es Kunst

Am Ende einer Präsentation eines EDUCULT-Forschungsprojektes zur Qualitätsentwicklung kultureller Bildung entspann sich eine anregende Diskussion mit unseren Auftraggebern zur Qualität von Kunst. Im Verlauf des Gesprächs wurde eine grundsätzliche Verunsicherung deutlich, ob und wenn ja, wie man die Qualität von Kunst bestimmen, messen und darstellen kann, in der Hoffnung, damit ...


Sinnlicher kann man es nicht ausdrücken

Nach einer weiteren wunderbaren Aufführung von „Verrücktes Blut“ im Palais Kabelwerk in Wien Meidling fand vorigen Montag eine Podiumsdiskussion zu den bisherigen Ergebnissen der Prozessbegleitung zu postmigrantischen Positionen in der Wiener Theaterszene statt. Das Stück nimmt eigentlich alle Probleme auf, die von unseren GesprächspartnerInnen in den letzten Monaten immer wieder angesprochen ...


„Achtung Demokratie!“

Über „Kultur und Demokratie“ zu sprechen bedeutet zu allererst die Bereitschaft, sich auf unwegsames, möglicher Weise vermintes Gelände zu begeben. Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann hat in dem Zusammenhang gesagt, bei „Kultur“ handle es sich um einen der schrecklichsten Begriffe, die jemals geschaffen wurden, weil er sich jeglicher näheren Bestimmung ...


Der Ritt der vier Kulturapokalyptiker über die deutsche Kulturlandschaft

In diesen Tagen fand ein sehr seltenes Ereignis statt: Eine Pressekonferenz zu Kulturpolitik in Wien. Eingeladen hatten die Grünen, die damit die Öffentlichkeit von ihren hohen ethischen Ansprüchen innerhalb des Kulturbetriebs in Kenntnis setzen wollten. Auslöser war wohl ihr Erfolg im Bemühen, die Amtszeit von Gerald Matt als autokratischer Direktor ...


Rotunda de Ranelagh für alle

Langsam breitet sich die Dunkelheit im Zuschauerraum aus, die Gestalten in den engen Sitzreihen verlieren ihre Konturen und kollektive Erwartung macht sich breit. Und die ZuhörerInnen und ZuschauerInnen vergessen, dass sie Teil einer starr konstruierten Publikumsformation geworden sind, die darauf angelegt ist, der Vielfalt der Individualitäten der BesucherInnen das Gebot ...


Europa wird kulturell sein oder es wird nicht sein

In einem Radiointerview zur Vorstellung seines Buches Europa – Ein Plädoyer meinte zuletzt der Politologe Anton Pelinka, Europa wäre als ein „Hirnprojekt“ nach wie vor nicht im „Bauch der EuropäerInnen“ angekommen.Dem möchte man zustimmen, wäre da nicht der hohe Aggressions-, ja Zornpegel eines wachsenden Anteils der Bevölkerungen, der darauf schließen ...


Why not in Europe?

Nach einer jüngst veröffentlichten Imas-Untersuchung halten 42% der Befragten die Mitgliedschaft Österreichs bei der EU für schlecht und nur mehr 29% für gut (der große Rest hat keine Meinung abgegeben). Darüber hinaus sind ganz grundsätzlich 31% sind der Ansicht, die Europäer seien „zu unterschiedlich, um zusammenwachsen zu können“. Dieses Blitzlicht zeigt, ...


Kulturelle Bildung und Ungleichheit

„Wir bildungsbürgerliche Eltern lieben unsere Kinder mehr als Eltern in sozial schwachen Gegenden. Entsprechend wachsen unsere Kinder ganz natürlich mit Musik auf, während Kinder rund um den Brunnenmarkt keine Gelegenheit finden, Musik zu erfahren. Da müssen wir einspringen." Das war sinngemäße die Botschaft, mit der Bernhard Kerres, Intendant des Wiener Konzerthauses, jüngst ...


Ich, ich, ich oder Als der Krise der Sinn abhanden kam

Meist bemerke ich sie gar nicht; aber diesmal sind sie mir wieder aufgefallen, die gezwungen freundlichen jungen Menschen, die den Passagieren auf dem Weg zum Ausgang mit mehr oder weniger nettem Lächeln die Zeitung „wien live“ in die Hand drücken wollen. Die meisten nehmen sie gar nicht zur Kenntnis und ...


Wenn der Südwind herüberweht

Bei einem der Round Tables, die EDUCULT für unsere Recherche in Sachen „Ruhratlas“ durchgeführt hat, berichtete ein Musikschuldirektor von den Auswirkungen des Projektes „JeKi - Jedem Kind ein Instrument" auf sein Haus. Traditionell beschränke sich das Angebot seines Hauses auf die Erwartungen bürgerlicher Familien, deren Kinder dank eines fördernden Elternhauses ...


Ich bin ein Postmigrant! – Kann ich ein Postmigrant sein?

2004 hatte EDUCULT die Amsterdamer Kulturstadträtin Hannah Belliot nach Wien eingeladen. Amsterdam zeichnete sich bereits damals durch einen Migrationsanteil seiner BewohnerInnen von mehr als 50% aus. Aus diesem Grund war es – jedenfalls für die Amsterdamer – nicht ungewöhnlich, dass Belliot über einen surinamesischen Hintergrund verfügte, während ihr Kollege im ...


Nichts geht mehr – geht nichts mehr?

Die österreichische Medienpolitik der letzten Wochen war geprägt vom Versuch des ORF-Generaldirektors, just am 22. Dezember des Vorjahrs, eine Reihe von wichtigen Positionen zu besetzen. Die Auswahl war ganz offensichtlich mit den politischen Parteien, die Alexander Wrabetz’ zur Wiederwahl verholfen haben, akkordiert. Insbesondere die Bestellung des 25-jährigen Nico Pelinka, der ...


Freiheit zwischen Erfahrung und Erwartung

„Ich möchte nicht mehr gedemütigt werden, wenn ich privat meine Muttersprache verwende, und ich möchte auch mitentscheiden können, ob ich talentiert für meine jetzige Schule bin oder doch eine andere besuchen möchte“, meinte einer der 30 SchülerInnen mit Migrationshintergrund, die in diesen Tagen in der Kooperativen Mittelschule in der Wiener ...


“Mainstream”

Die Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr: Eine Zeit irgendwie dazwischen. Der Alltag des alten Jahres liegt bereits zurück und der des neuen hat noch nicht begonnen. Eine Chance, zur Ruhe zu kommen und sich neu zu orientieren. Ich hab sie mit Hilfe des Buches „Mainstream“ des französischen Forschers und Journalisten ...


Und doch feiern wir noch immer Weihnachten

In diesen Tagen veröffentlichte das Institut für Jugendkulturforschung seine jüngste Repräsentativ-Umfrage „Jugend und Zeitgeist“. Darin wird den jungen ÖsterreicherInnen ein gerütteltes Maß an pragmatischer Egozentrik zugesprochen. Wie nie zuvor hätten sie Abstand genommen von grundsätzlichen weltanschaulichen Positionen; ihr Bezug auf soziale Fragen beschränke sich mehrheitlich auf das, was sie unmittelbar ...


Zu den Wirkungen kultureller Bildung

Es geschah jüngst bei einer Diskussion zur Bedeutung kultureller Bildung in Essen: Die Runde kam bald auf die Wirkung kultureller Bildungsmaßnahmen zu sprechen. Die Rede war davon, dass die Wissenschaft längst nachgewiesen hätte, welch vielfältig positiven Effekte für junge Menschen damit ermöglicht würden: Sie reichten von ...


Österreich mag politisch ein Zwerg sein, aber christkindlmarktmäßig sind wir ein Gigant

„Jede demokratisch verfasste Bevölkerung hat die Regierung, die sie verdient.“ Wenn es nach diesem, zugegeben einigermaßen strapazierten alten Spruch geht, dann ist der Kleinstaat Österreich in den Realitäten der europäischen Kräfteverhältnisse angekommen. Während in Europa die Wellen der Interessenskonflikte hochgehen, pflegt das politische Personal hierorts ...


Das Theater als Spiegel der Gesellschaft

Wenn Sie einen Programmzettel der Wiener Staatsoper zur Hand nehmen, dann machen bereits die Namen der SängerInnen eindrucksvoll deutlich, wie sehr sich der Opernbetrieb internationalisiert hat. Die Aufzählung der Akteure läßt Assoziationen zu, die nicht nur nach dem traditionellen Opernland Italien weisen sondern ebenso nach dem ...


Zukunft braucht Haltung

In diesen Tagen fand in Berlin eine Veranstaltung mit dem Titel „Zukunft ist jetzt!“ statt. Gemeinsam wollten sich die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Bundesverband kultureller Bildungsarbeit (bkj) mit den TeilnehmerInnen darüber verständigen, in welcher Weise der Begriff der Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch, ökonomisch und ...


Von der Salonkultur zur Vermittlungsaktion

Am 19. Oktober hätte die Grande Dame der österreichischen Nachkriegsliteratur Hilde Spiel ihren hundertsten Geburtstag gefeiert. Zu diesem Anlass hat der Innsbrucker Studienverlag einen Sammelband von Ingrid Schramm und Michael Hansel mit dem Titel „Hilde Spiel und der literarische Salon“ herausgegeben. In diesem Buch wird aus ...


Kultur und Apokalypse

Staatsbankrott Griechenlands, Übergreifen der Zahlungsunfähigkeit auf andere EU-Mitgliedsländer, EU am Rande des Abgrunds, Zusammenbruch der Finanzmärkte, Verlust der Ersparnisse, Rezession, Massenarbeitslosigkeit, Unregierbarkeit, Chaos, Endzeit. Das sind nur ein paar der Schlagwörter der breaking news, mit denen zur Zeit ein umfassendes Gefühl der Unsicherheit und Ratlosigkeit in den ...


Vom Glanz und vom Elend der österreichischen Kulturpolitik

Anlässlich des österreichischen Nationalfeiertages war ich eingeladen, im Rahmen einer virtuellen Konferenz des Treffpunkt KulturManagement zum Verhältnis von österreichischer Kulturpolitik und nationaler Identitätsbildung zu sprechen. Anbei einige der wichtigsten Thesen, die ich dort angesprochen habe: Wer die Logik der österreichischen Kulturpolitik verstehen will, tut gut daran, dem Gründungsmythos der österreichischen Kulturnation ...


Über den Verlust künstlerischer und intellektueller Ansprüche

Im letzten Blog-Eintrag habe ich von den erstaunlichen Bemühungen der australischen Kulturpolitik berichtet, den kulturellen Besonderheiten der indigenen Bevölkerung zu entsprechen. Die ausgestellten Objekte indigener KünstlerInnen im Ian Potter Centre an der Schnittstelle zwischen Kulturgegenstand und Kunstwerk provozieren mich, über das keineswegs geklärte Verhältnis von ...


ACHTUNG: Kunst kann gefährlich sein!

Das Ian Potter Centre im Herzen Melbournes zeigt australische Kunst vorwiegend der Einwanderergesellschaft des 19. und des 20. Jahrhunderts. Zur Zeit zu sehen ist auch eine Schau mit dem Titel „Tjukurrtjanu – Origins of Western Desert Art“. Diese beschäftigt sich entlang einer Vielzahl von Bildern, ...


Das Ende der “Hochkultur” ist der Anfang von “Vermittlung von Kunst und Kultur”

Als Zuhörer bei diversen kulturpolitischen Fachveranstaltungen der letzten Zeit fiel mir auf, dass der Begriff „Kunstundkultur“ immer mehr in Mode kommt. Mich erinnert diese rhetorische Figur an Parteiveranstaltungen, auf denen die Sprecher die wiederholte Anrede des Publikums gerne zum Wortungetüm „GenssnundGenossen“ verkürzen. Im Kulturbereich – so meine Vermutung – geht es ...


Ich bin zwar Teil davon, habe aber nichts damit zu tun

Die Saison hat wieder begonnen und damit lebt auch die Hoffnung wieder auf, der kulturpolitische Diskurs, der über das selbstherrliche Verhalten einzelner Museums- und Kunsthallenleiter hinausweist, könnte sich nochmals intensivierenGründe gäbe es genug, wenn sich der Kulturbetrieb angesichts mangelnder Steuerungsvorgaben der öffentlichen Hand zunehmend der hektischen Betriebsamkeit des Marktes ausgesetzt ...


Glauben gegen Arbeitslosigkeit

Der greise Papst war in Spanien, um der spanischen Jugend den wahren Glauben nahezubringen. Er offerierete seine eigene Glaubensüberzeugung gegen das Vorherrschen von Oberflächlichkeit, Konsumismus und Hedonismus. Dies sei der Grund, warum junge Menschen eine große Banalität im Umgang mit der Sexualität, großen Mangel an Solidarität und viel Korruption wahrnehmen ...


Kulturagenten

In diesen Tagen erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Kommentar mit dem Titel „Agenten ohne Agenda“. Darin polemisiert Stephan Opitz gegen die Installierung von sogenannten „Kulturagenten“ in rund 150 deutschen Schulen. Deren Aufgabe soll es laut Selbstdarstellung sein, „gemeinsam mit SchülerInnen, LehrerInnen, der Schulleitung, Eltern, KünstlerInnen und Kulturinstitutionen ein umfassendes ...


Das Böse in uns

So schnell kann es gehen. Noch vor wenigen Tagen waren die Medien vorrangig mit der Darstellung aller noch so kleinsten Details der Attentate eines norwegischen selbsternannten Heilands und ihrer umfassenden Interpretation beschäftigt. Auf ihrer Spurensuche nach der Begründung seiner Taten wurden sie in einer Spurensuche nach dem „Bösen in jedem ...


Siegried Bernfelds „Sisyphos – Die Grenzen der Erziehung“

Sie sind uns allen im Ohr, die engagierten Stimmen, die bei der Verhandlung jeglicher gesellschaftlicher Probleme fordern, deren Lösung läge in einer möglichst frühen Behandlung in der Schule. Nur möglichst frühzeitig einsetzende Bildungsbemühungen tunlichst ab dem Kleinstkindalter wären in der Lage, den Anspruch und die Fähigkeit zur Gestaltung eines gelingenden ...


Otto, bau keinen Mist

In diesen Tagen errichtete die Magistratabteilung 48 unmittelbar hinter dem Stephansdom eine hausgroße temporäre Toilettenanlage mit der Aufschrift: „Bau keinen Mist“. Sie ist dafür gedacht, den tausenden BesucherInnen der imperialen Begräbnisfeierlichkeiten für Otto Habsburgs Erleichterung zu verschaffen, wenn sie ihren nur allzu menschlichen Bedürfnissen nachgehen. Der Tod jedes Menschen ...


Ein klares Bekenntnis zur EU tut Not

Vermischte Bemerkungen über den Verlust des Mittelstands, über die Beziehung zwischen SchülerInnen und LehrerInnen als Lackmus-Test demokratischer Errungenschaften und über die Sorge, wir könnten uns gegenüber den Konsequenzen, die eine weitere Enteuropäisierung angesichts des angelaufenen globalen Finanzkriegs mit sich bringt, als blind erweisen.-------- Bereits zum dritten Mal findet in diesen Tagen ...


Die Kulturpolitik und die U-Bahn-NutzerInnen

Vergangenen Freitag war es wieder einmal so weit. Mitglieder der deutschen und der österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik fanden sich zu einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit dem Titel „Initiativen im Spannungsfeld zwischen Partizipation und Marketing“ zusammen. Und fast wie selbstverständlich verfielen die ReferentInnen rasch in ein nur allzu vertrautes Vokabular zum ewigen ...


Über die wichtigste Verhandlungstaktik der österreichischen Bildungspolitik: „Ätsch. Das gilt es nicht!“

Haha, ist das ein lustiges, wenn auch pädagogisch wenig wertvolles Spiel: Da setzen sich zwei zusammen, machen uns etwas aus und verkünden stolz das Ergebnis. Und ein paar Tage später ruft einer der beiden: „Ätsch. Das gilt es nicht! - Und überhaupt, der Papa hat gesagt, wir müssen nochmals von ...


Europa darf nicht Theresienstadt werden

Nach der Besetzung Dänemarks im Jahr 1943 überzog das NS-Regime auch dieses Land mit einer Verhaftungswelle unter der jüdischen Bevölkerung. Den deutschen Häschern fielen rund 450 Juden in die Hände, die nach ihrem Aufgreifen in das Vorzeige-Konzentrationslager Theresienstadt in Tschechien gebracht wurden. Die mutige dänische Regierung forderte daraufhin die Behörden ...


Über den Gewinn von Kontroversen und den Verlust von Kostbarkeit

Vorab eine ebenso persönliche wie überraschende Wahrnehmung: Ich sitze als Zuhörer im Forum „Digitale Kulturvermittlung“. An der Stirnfront des Arbeitsraums hängt ein dekoratives Kunstobjekt, vielleicht zweimal zwei Meter groß. Davor ein Panel aus drei Vermittlerinnen, die anhand ihrer Arbeitspraxis die Entwicklungstrends der aktuellen Digitalisierung anhand ihres Berufsfeldes diskutieren. Eine von ...