Europäisches Symposium “Kulturpolitik und Rechtspopulismus”
Eintägige kulturpolitische Konferenz an der Universität für angewandte Kunst Wien
Europa steht im Bann einer Konservativen Revolution. Diese äußert sich im Erstarken rechtspopulistischer Kräfte, die zunehmend die politische Agenda bestimmen. Ihre entschieden antiliberalen, antidemokratischen und antiegalitären Züge laufen auf ein „anderes Europa“ hinaus. Ihre ProtagonistInnen gefährden die Errungenschaften der liberalen Demokratie und damit das europäische Einigungskonzept.

Zur Disposition stehen die vielfältigen Wirkungen der jüngsten Globalisierungswelle, die von den VertreterInnen der Neuen Rechten pauschal kritisiert und für die Propagierung einer dieser entgegenstehenden Agenda genutzt werden: Gegen die BefürworterInnen, ProfiteurInnen und VisionärInnen der Globalisierung werden identitäre Gegenbilder in Stellung gebracht. Im Kampf gegen eine kulturell, wirtschaftlich und sozial entgrenzte Welt geht es für diese antiliberalen politischen Kräfte darum, rund um ein homogenes Volk noch einmal den souveränen Nationalstaat zu stärken, der sich ausschließlich um das Wohl der eigenen Bürger zu kümmern habe. Auf der Suche nach den Gründen für soziale Ungleichheiten wird dabei nicht mehr die Bekämpfung von ungerechten ökonomischen Machtverhältnissen, sondern die Abwehr gegen ethnisch-kulturelle Andersartigkeit verhandelt.

Neben grundsätzlichen gesellschaftspolitischen und kulturwissenschaftlichen Überlegungen zur aktuellen politischen Radikalisierung will das Symposium mit seinen Gästen einen Überblick über kulturpolitische Entwicklungen in ausgewählten europäischen Ländern wie z.B. Großbritannien, Frankreich, Ungarn oder auch den Niederlanden bieten. Dazu werden künstlerische Strategien vorgestellt, die sich mit den aktuellen politischen Veränderungen in Europa auseinandersetzen. Ein abschließendes Panel soll sich über die Konsequenzen für den Kunstbetrieb, vor allem im Bereich der künstlerischen Aus- und Fortbildung verständigen.

 

Kulturpolitik und Rechtspopulismus

Datum: 30. März 2017, 09:00 - 18:30 Uhr

Ort: Universität für angewandte Kunst Wien, Heiligenkreuzer Hof, Schönlaterngasse 5, 1010 Wien

Konzept und Moderation: Michael Wimmer (Universität für angewandte Kunst Wien, EDUCULT/ Wien)

Die Konferenz wird in deutscher und englischer Sprache abgehalten.

Information & Anmeldung: info(a)uni-ak.ac.at

Gäste/ReferentInnen: Dimitri Almeida (Georg-August-Universität Göttingen/ Deutschland), Gerald Bast (Universität für angewandte Kunst Wien/ Österreich), Werner T. Bauer (ÖGPP/ Österreich), Thomas Drozda (Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien/ Österreich), Michel Gölz, Sebastian Kraner, Virginia Lui (Universität für angewandte Kunst Wien, Social Design/ Österreich), Stuart MacDonald (ifa/ Stuttgart, Deutschland), Barbara Neundlinger (Kulturmanagerin/ Österreich), Nils Oskamp (Künstler/ Deutschland), Dóra Papp (Krétakör, Eötvös Loránd Universität/ Ungarn), Heather Painter (Fulbright/ Österreich), Marlene Rigler (Kunsttheoretikerin und Kuratorin/ Deutschland), Paul Schuberth (Anton Bruckner Privatuniversität/ Österreich), Aron Weigl (EDUCULT), Michael Wimmer (Universität für angewandte Kunst Wien, EDUCULT)

Folder "Cultural Politics and Right-Wing Populism"


Programm

9:00 – 9:30 Eröffnung

Gerald Bast (Rektor, Universität für angewandte Kunst Wien)

9:30 – 10:00 Einführung

Michael Wimmer (Universität für angewandte Kunst Wien, EDUCULT)

Werner T. Bauer (ÖGPP/ Wien): “Rechtsextremismus und Rechtspopulismus im europäischen Vergleich“

10:00 – 11:30 Länderberichte

Dimitri Almeida (Georg-August-Universität Göttingen/ Deutschland)

Stuart MacDonald  (ifa/ Stuttgart, Deutschland)

Heather Painter (Fulbright/ Wien)

Dóra Papp (Krétakör, Eötvös Loránd Universität/ Budapest, Ungarn)

Moderation: Aron Weigl (EDUCULT)

(11:30 – 12:00 Pause)

12:00 – 13:30 Zugänge

Kenan Güngör (Think Difference/ Wien)

Nils Oskamp  (Künstler/ Berlin, Deutschland)

Paul Schuberth (Musiker, Anton Bruckner Privatuniversität/ Linz, Österreich)

Moderation:  Michael Wimmer (Universität für angewandte Kunst, EDUCULT)

(13:30 – 14:30 Mittagspause)

14:30 – 15:00 Künstlerische Intervention

Michel Gölz, Sebastian Kraner, Virginia Lui (Social Design, Universität für angewandte Kunst Wien)

15:00 – 16:30 Künstlerische Konsequenzen

Marlene Rigler (Kunsttheoretikerin und Kuratorin/ Karlsruhe, Deutschland)

Julian Bruns (Autor/ Wien)

Thomas Drozda (Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien/ Wien)

Gerald Bast (Rektor, Universität für angewandte Kunst Wien)

Moderation: Barbara Neundlinger (Kulturmanagerin/ Wien)

(16: 30 – 17:00 Pause)

17:00 – 18:30 Abschlussdiskussion

Julian Bruns (Autor/ Wien)

Dóra Papp (Krétakör, Eötvös Loránd Universität/ Budapest, Ungarn)

Michael Wimmer (Universität für angewandte Kunst Wien, EDUCULT)

Gerald Bast (Rektor, Universität für angewandte Kunst Wien)

Moderation: Barbara Neundlinger (Kulturmanagerin/ Wien)

 

Biografien

Dimitri Almeida

Dimitri Almeida studierte Ethnologie und Politikwissenschaft an der Universität Freiburg und promovierte 2010 an der Universität Kassel zum Thema „The Impact of European Integration on the Structures and Dynamics of Party Competition“. Als Experte für die Entwicklungen der Front National in Frankreich liegen seine Schwerpunkte zudem in Forschung und Lehre im Bereich Nationalismus und Rechtsextremismus, Religion und Laizität sowie von Konfliktlinien und Identitätsbildungsprozess in Frankreich. Seit 2009 ist er Lehrbeauftragter für französische und portugiesische Landeswissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen.

 

Werner T. Bauer

Werner T. Bauer studierte Kulturanthropologie und Orientalistik an der Universität Wien und arbeitete danach als freier Journalist und Wissenschafter, von 1988 bis 1994 auch in Istanbul. Von 1998 bis 2001 war er Bildungsreferent am Afro-Asiatischen Institut (AAI) in Wien. Seit 2003 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Internationale Politik, Stadtentwicklung, Migrationsforschung, Gesellschafts- und Kulturpolitik. Seit 2008 beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema „Rechtspopulistische Parteien in Europa“. Gemeinsam mit Lilli Bauer ist er seit 2005 als Redakteur des Internetlexikons dasrotewien.at sowie seit 2010 als Kurator der Dauerausstellung „Das Rote Wien im Waschsalon Karl-Marx-Hof“ tätig.

 

Julian Bruns

Julian Bruns ist Autor, lebt in Wien und forscht im Bereich Rechtsextremismus mit Schwerpunkt Neue Rechte. Er war bei der Österreichischen HochschülerInnenschaft der Universität Wien im Referat für antirassistische Arbeit tätig. Gemeinsam mit Kathrin Glösel und Natascha Strobl hat er das Buch "Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten" (2014) sowie "Rechte Kulturrevolution. Wer und was ist die Neue Rechte von heute?" (2015) verfasst.

 

Thomas Drozda

Thomas Drozda studierte Betriebs- und Volkswirtschaft an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Nach Tätigkeiten als Geschäftsführer beim Trotzdem-Verlag in Wien sowie in der Abteilung für volkswirtschaftliche Studien der Österreichischen Nationalbank, wechselte er 1993 als wirtschaftspolitischer Berater in das Kabinett von Bundeskanzler Vranitzky, wo er 1996 auch den Bereich Kunst und Kultur übernahm. Von 1998 bis 2008 war Drozda als kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters tätig, von 2007 bis 2014 zudem ORF-Stiftungsrat. 2008 wechselte er als geschäftsführender Generaldirektor zu den Vereinigten Bühnen Wien. Seit 2016 ist Drozda Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien.

 

Michel Gölz

Michel Gölz absolvierte das Studium “Liberal Arts and Sciences” am University College Utrecht mit den Hauptfächern Anthropologie, Urbanistik und Politikwissenschaften. Er interessiert sich dafür, wie auch Theorie zu positiven gesellschaftlichen Veränderungen beitragen kann. Mit seinem interdisziplinären Hintergrund setzt er sich in seiner Arbeit für ein produktives Verhältnis von Theorie und Praxis ein und nutzt dabei auch künstlerische Methoden, um BürgerInnen in den städtebaulichen Prozess einzubeziehen. Seit 2015 studiert er Social Design an der Universität für Angewandte Kunst.

 

Kenan Güngör

Kenan Güngör leitet das Büro für Gesellschaft- und Organisationsentwicklung [think.difference] in Wien. Als Organisationsberater und internationaler Experte für Integrations- und Diversitätsfragen berät und begleitet er staatliche und nichtstaatliche Organisationen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene und leitete u.a. zahlreiche integrationsbezogene Leitbildprozesse. Als strategischer Berater begleitete er die Stadt Wien über mehrere Jahre in integrations- und diversitätsbezogenen Themen. Darüber hinaus ist er Mitglied des unabhängigen Expertenrates der österreichischen Bundesregierung wie auch der Vorsitzende des Expert_Forums Prävention, Deradikalisierung & Demokratiekultur der Stadt Wien. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Gesellschaftlicher Wandel, Integration, Partizipation, Diversität, Organisationsentwicklung, Stadtsoziologie, Jugend,  Identität, Konflikt- und Gewaltanalyse, Radikalisierung.

 

Sebastian Kraner

Sebastian Kraner lebt und arbeitet in Wien. 2013-2017 studierte er TransArts an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seit 2015 besucht er zudem den Masterlehrgang Social Design. Für seine Kurz- und Essayfilme wurde er im In- und Ausland ausgezeichnet und zu zahlreichen Festivals eingeladen. Zuletzt präsentierte er an der Universität für angewandte Kunst seine Arbeiten im Rahmen der Ausstellung “Nicht mit Rechten reden”.

 

Virginia Lui

Virginia Lui,  geboren in Sydney/Australien, lebt und arbeitet als Designerin in Wien. Sie studierte Architektur an der Universität in Sydney und hat bereits in renommierten Architekturbüros gearbeitet, bevor sie das Studium Social Design an der Universität für angewandte Kunst Wien begann. In ihren bisherigen Projekten hat sie sich mit Themen wie Städteplanung und öffentlicher Raum, leistbares Wohnen, interkultureller Dialog, Migration und Rechtspopulismus auseinandergesetzt. Sie arbeitet interdisziplinär und erforscht dabei die unterschiedlichen Ausdrucksmittel von Kunst und Architektur. Dabei beschäftigen sie vor allem die soziale Verantwortung von Kunst und Design sowie deren potentieller Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt.

 

Stuart MacDonald

Stuart MacDonald ist Gründer und stellvertretender Direktor des Centre for Cultural Relations (CCR) an der Universität in Edinburgh. Zuvor war er als Stratege und Experte mit über 20 Jahren politischer Erfahrung  im internationalen, pädagogischen, kulturellen, sozialen und öffentlichen Bereich tätig. 2011 verließ er den öffentlichen Dienst, um sich verstärkt seinem Interesse für kulturelle Beziehungen zu widmen. Er war in Tunesien nach der Revolution 2011 tätig, wo auch die Idee für den CCR entstand. Derzeit ist er für ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) als  Berater hinsichtlich der Zukunft der internationalen Kulturbeziehungen in Europa nach dem Brexit tätig.

 

Nils Oskamp

Nils Oskamp, geboren 1969 in Bochum, studierte Grafik-Design mit dem Schwerpunkt Illustration und arbeitet seit 1999 als freier Illustrator. 2002 war er Mitbegründer des deutschen Illustratoren-Verbandes Illustratoren Organisation e.V. (IO), für den er mehrere Jahre als Redakteur und Herausgeber des Illustratoren-Newsletters tätig war. Seit 2006 ist er regelmäßig Gastkünstler im französischen Atelier du Marquis. 2012 wurde er mit dem Red Dot Design Award Honourable Mention ausgezeichnet und gründete die internationale Arbeitsgemeinschaft Atelier sans Fontières. In seiner ersten Graphic Novel „Drei Steine“ erzählt er die Geschichte seiner Jugend in den 1980er Jahren in Dortmund-Dorstfeld, wo er Opfer rechter Gewalt wurde.

 

Heather Painter

Geboren 1991 in Pittsburgh (PA, USA), studierte Heather Painter Englisch, Deutsch und Politikwissenschaft am Washington & Jefferson College. Danach war sie als Lehrerin für Teach For America in einer benachteiligten Schule im ländlichen Arkansas tätig. Sie arbeitete im Department of Education Reform an der University of Arkansas und im Zentrum für Politikforschung in München. Aktuell ist sie U.S. Fulbright Stipendiatin im Österreich, wo sie sich für Projekte im Bereich Bildungspolitik engagiert, Englisch als Fremdsprache unterrichtet und ihren Master in Politikwissenschaft an der Universität Wien absolviert.

 

Dóra Papp

Dóra Papp ist seit mehreren Jahren als Kulturmanagerin tätig und organisierte diverse Workshops, Performances und Festivals. Als Geschäftsführerin der Krétakör-Foundation, gegründet vom ungarischen Theaterregisseur Árpád Schilling, liegt ihr Fokus auf Gesellschaftsentwicklung basierend auf Partizipation. Ihr Anliegen sind Projekte, die an den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen rühren und teilhaben.

 

Marlene Rigler

Marlene Rigler ist Kunsttheoretikerin und internationale Kuratorin mit akademischem Hintergrund in Ästhetik, Literatur und europäischer Kulturpolitik (Karl-Franzens-Universität Graz, Paris I - La Sorbonne-Panthéon, Institut d’Etudes Politiques Grenoble). 2005-2007 war sie verantwortlich für Ausstellungen im Kulturdepartment des historischen Museums  Mémorial da la Shoah in Paris, 2007 internationale Kuratorin und Filmkuratorin bei Argos-Centre for Arts and Media in Brüssel. 2013 wurde M. Rigler zur Gründungsdirektorin des städtischen Kunstzentrums “Le 116” in Montreuil (Seine-Saint Denis) berufen. Im März 2017 übernimmt sie die deutsch-französische Stiftung (CCFA) in Karlsruhe. Derzeit ist sie zudem Doktorandin im Bereich Kunstwissenschaft an der Akademie der Künste in Wien bei der Philosophin Prof. Ruth Sonderegger.

 

Paul Schuberth

Paul Schuberth, geboren 1994 in Steyr (OÖ), ist Musikstudent und Akkordeonspieler in Linz. Als Musiker bereiste er Europa, Afrika und Asien. Sowohl solo als auch mit unterschiedlichen Projekten veröffentlichte er seit 2008 ein Dutzend Tonträger (mit trio akk:zent, Duo Vakkordeonioline, Dinovski/Schuberth). Seit 2014 schreibt er Texte zu politischen Themen (u.a. in derstandard.at, Augustin, Versorgerin, Café KPÖ, Semiosis-Blog) und versucht seither auch sein politisches Interesse mit seinen musikalischen Tätigkeiten zu verbinden.