(Re)Imagining Freedom of Expression in Postdigital Societies

Die Reihe „(Re)Imagining Freedom of Expression in Post-Digital Societies“ beschäftigte sich damit, wie sich Meinungs- und Ausdrucksfreiheit im digitalen Wandel verändern und welche Auswirkungen das für Kultur, Bildung und Demokratie hat. Das gemeinsame Ziel war, Folgen für kulturelle Ausdrucksfreiheit zu diskutieren, Machtverhältnisse verstehbar zu machen und Handlungsspielräume für Akteur*innen aus Kultur, Wissenschaft, Aktivismus und Politik aufzuzeigen. In drei öffentlichen Veranstaltungen – „Memory & Identity“, „Youth Cultures“ und „AI & Creativity“ (mit dem Angewandte Interdisciplinary Lab) – wurden unterschiedliche Perspektiven auf Erinnerung, Jugendkulturen und die Folgen von KI im Kunst- und Kulturbereich gelenkt.

Gemeinsam mit der Österreichischen UNESCO-Kommission und der Diplomatischen Akademie Wien haben wir die dreiteilige Reihe konzipiert und umgesetzt. Über unsere Geschäftsführerin Anke Schad-Spindler, die Vorsitzende des UNESCO-Fachbeirats Kulturelle Vielfalt ist, konnten wir unsere Erfahrung in der Verbindung von Kultur, Bildung und Politik eingebringen. Durch das Zusammenbringen der Netzwerke haben wir mit unseren Kooperationspartner*innen Formate gestaltet, die einen inspirierenden Austausch ermöglicht und aktive Beteiligung gefördert haben.

Die Veranstaltungen setzten auf kurze Impulse, moderierte Gespräche und offene Diskussionen, in denen Teilnehmende ihre Erfahrungen einbrachten und gemeinsam Ansätze für den Schutz und die Förderung kultureller Vielfalt und Ausdrucksfreiheit entwickelten. So entstand ein Raum, in dem aus unterschiedlichen Positionen konkrete Ideen für eine demokratische Gestaltung post-digitaler Öffentlichkeiten hervorgingen.

Die Reihe verdeutlichte, dass digitale Technologien neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen, zugleich aber Ungleichheiten, Ausschlüsse und Abhängigkeiten verstärken. Sie hat das Bewusstsein dafür geschärft, dass die Freiheit kultureller Ausdrucksformen laufend aktiv ausgehandelt werden muss. Sie bietet – auch durch die Videoaufzeichnungen – Momentaufnahmen und Reflexionsmöglichkeiten in einer Zeit des rapiden digitalen Wandels.​

  • Memory & Identity (7. April 2025, 18:30 Uhr, Diplomatische Akademie Wien)
  • Youth Cultures (2. Juni 2025, 18:00 Uhr, Diplomatische Akademie Wien)
  • AI & Creativity (8. Oktober 2025, Postsparkasse/ÖUK)

 

3. AI & Creativity

Diversität und Freiheit kultureller Ausdrucksformen in postdigitalen Gesellschaften

8. Oktober 2025, Österreichische UNESCO-Kommission / Postsparkasse

Bei dieser Veranstaltung kamen Expert*innen aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Aktivismus zusammen, um zentrale Fragen zu diskutieren: Wie lässt sich die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in postdigitalen Gesellschaften schützen? Wie können Transparenz und Zugang gestärkt werden? Was bedeutet Kreativität vor dem Hintergrund künstlicher Intelligenz? Sollten Eigenschaften wie Intelligenz, Selbstbestimmung und Freiheit ausschließlich Menschen vorbehalten sein? Und wie lässt sich künstlerische Intuition oder Subjektivität in Algorithmen abbilden?

Gäste – Input Talks:

  • Magdalena Reiter, Expertin für Netzpolitik und Kulturschaffende
  • Clemens Apprich, Vizerektor für Forschung und Digitalität sowie Leiter der Abteilung Medientheorie und des Peter Weibel Forschungsinstituts für Digitale Kulturen, Universität für angewandte Kunst Wien
 

Panel „Hybrid Realities“:

Carina Zehetmair, Ali Nikrang, Eva Fischer und S()fia Braga
Moderation: Giulia Pelillo

 

 

2. Youth Cultures

2. Juni 2025, Diplomatische Akademie Wien

Junge Menschen sind starke Stimmen im Einsatz für Menschenrechte und gegen Ungerechtigkeit, sie setzen sich für Frieden ein und engagieren sich gegen den Klimakollaps. Mitglieder der Generation Z und Alpha bewegen sich selbstverständlich zwischen digitalen und analogen Welten, knüpfen internationale Verbindungen und prägen vielfältige Jugendkulturen. Obwohl sie maßgeblich an der Gestaltung unserer Zukunft beteiligt sind, bleiben sie von politischen Entscheidungsprozessen häufig ausgeschlossen und erfahren gesellschaftliche wie politische Vernachlässigung. Gleichzeitig wachsen sie in einer Zeit ständiger Krisen und sozialer Ungleichheit auf – ein Zusammenspiel, das die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften ernsthaft gefährdet. Die Veranstaltung widmete sich den vielfältigen, kreativen und innovativen Formen, in denen junge Menschen ihre Anliegen äußern, gesellschaftliche Herausforderungen aufgreifen und politische Entscheidungen beeinflussen – ebenso wie den Barrieren, Ausschlüssen und Diskriminierungen, mit denen sie weiterhin konfrontiert sind.

Diskussion mit:

  • Anahita Neghabat (Sozialanthropologin und Künstlerin)
  • Aron Weigl (EDUCULT)
  • Cäcilia Regner (Jugendvertreterin, Österreichische UNESCO-Kommission)

Moderation: Anke Schad-Spindler (EDUCULT)

 

1. Memory & Identity

7. April 2025, Diplomatische Akademie Wien

Diese Veranstaltung untersuchte das Verhältnis von Meinungsfreiheit und Cancel Culture und diskutierte, wie beide Begriffe in politischen Auseinandersetzungen um Erinnerungskultur, Identitäten und Zugehörigkeit eingesetzt werden – teils um Kulturkämpfe zu befeuern, teils um abweichende Meinungen zu unterdrücken.

Dessy Gavrilova beleuchtete Meinungsfreiheit im Kontext aktueller politischer Entwicklungen in den USA und Europa. Wie verändert der politische Wandel in den USA – und die Art, wie das neue Regime das Thema nutzt – den Kampf um Meinungsfreiheit? Muss die „Frontlinie“ für Meinungsfreiheit heute neu definiert werden? Welchen Einfluss haben progressive Bewegungen auf die Politik der Meinungsfreiheit? Und kann Kultur überhaupt bestehen, wenn „Cancel Culture“ zum Normalzustand wird?

Giulia Pelillo ging den historischen und kulturellen Wurzeln des Begriffs „Cancel Culture“ und der Praxis des Cancelns nach. Sie zeigte auf, wie sich diese Phänomene aus technologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen des 18. und 19. Jahrhunderts ableiten, die heute durch Digitalisierung und Datenförmigkeit von Kommunikation neu geprägt werden. Vor diesem Hintergrund diskutierte der Vortrag, wie Meinungsfreiheit so geschützt werden kann, dass sie gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt – statt Gesellschaften weiter zu polarisieren.

ReIMAGINE

Im Erasmus+ Projekt ReIMAGINE untersuchen wir, wie Europa an die eigene Vergangenheit erinnert, um zu einem (Re-)Imaginieren von pluralistischem europäischem Gedenken beizutragen.. Im Mittelpunkt stehen künstlerische Praktiken als gemeinsames Werkzeug, um dominante Erinnerungsnarrative zu hinterfragen und Räume für Reflexion und Partizipation zu schaffen.

Gemeinsam mit Partner*innenorganisationen aus Österreich, Italien, Portugal, Serbien und Zypern verbinden wir künstlerische, bildungspolitische und erinnerungskulturelle Perspektiven. Wir setzen eine partizipative Bedarfsanalyse mit Akteur*innen aus Kunst, Bildung und Erinnerungskultur um. Auf Basis dieser Ergebnisse entwickeln wir eine digitale Plattform für kollektives Erinnern, die pluralistische Gedenkpraktiken durch künstlerische Zugänge, Geschichten und Videos aus allen fünf Partner*innenländern vereint und sichtbar macht. Zusätzlich entsteht ein interaktives Schulungs-Toolkit zu inklusivem Erinnern für Pädagog*innen, Kulturvermittler*innen und Kunstschaffende. Die dort enthaltenen praktischen Methoden zur Einbindung kunstbasierter Gedenkformen in politischer Bildung und Erwachsenenbildung erproben wir in gemeinsamen Trainingsformaten und nationalen Pilotprojekten. Die darauf basierende Weiterentwicklung stellt eine praktische Anwendung sicher. Zusätzlich finden zur Vernetzung von Multiplikator*innen nationale und internationale Veranstaltungen statt.

In ReIMAGINE ergründen wir gemeinsam mit den Partner*innenorganisationen praxisnahe Methoden, die kunstbasierte Formen des Erinnerns direkt in politische Bildung und Erwachsenenbildung einbinden. Durch unsere Outputs stärken wir gemeinsam zivilgesellschaftliches Engagement, fördern aktive demokratische Teilhabe fördern und leisten einen Beitrag zu einer inklusiveren europäischen Erinnerungskultur.

Wir laden insbesondere Pädagog*innen, Kunst- und Kulturschaffende sowie politische Entscheidungsträger*innen ein, an den kommenden Projektaktivitäten teilzunehmen. Aktuelle Informationen stehen im Newsletter oder auf unseren Social-Media-Kanälen.

Kofinanziert von der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS).

Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autorin oder des Autors bzw. der Autorinnen oder Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der OeAD-GmbH wider. Weder die Europäische Union noch die OeAD-GmbH können dafür verantwortlich gemacht werden.

Young Thespians

Das Projekt Erasmus+ Projekt „Young Thespians: Youth Performing Arts Education for All!“ befasste sich mit der Frage, wie junge Menschen – insbesondere jene, die aufgrund bestimmter Merkmale (wie Sprache, Genderidentität, Religion) Benachteiligung erfahren – gleichberechtigten Zugang zu den darstellenden Künsten erhalten können. Gemeinsam mit dem Reykjavik Ensemble (Island) und dem Musisches Zentrum Wien (assoziierter Partner) setzten wir das Projekt um, um strukturelle Barrieren sichtbar zu machen, praxisnahe Werkzeuge für inklusive Arbeit in den darstellenden Künsten zu entwickeln und somit gleichberechtigte Teilhabe zu stärken.

Wir kombinierten unsere Expertise aus Forschung und künstlerischer Praxis gemeinsam mit unseren Partner*innen. Zudem arbeiteten wir eng mit Jugendlichen, Kunst- und Kulturvermittler*innen, Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen und Künstler*innen zusammen. Diese Zusammenarbeit bildete die Grundlage für die partizipativ angelegte Bedarfsanalyse zum Zugang zu den darstellenden Künsten. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der österreichischen und isländischen Teilnehmenden, deren Beiträge zentral für die Entwicklung des effektiven, praxisorientierten Toolkits sind und unmittelbar in dessen Ausarbeitung einflossen. Ergänzend führten wir Pilotkurse in Reykjavík und Wien durch, um die praktische Anwendung des Toolkits zu erproben und die bestmögliche Anwendung für zukünftige Nutzer*innen sicherstellen.

Die Forschungen in Island und Österreich beleuchteten das anhaltende Spannungsverhältnis zwischen sozialer Realität und institutioneller Praxis in den darstellenden Künsten. Um die zahlreichen Herausforderungen bei der Gewährleistung eines gerechten Zugangs für Jugendliche anzugehen, entwickelten wir das „Young Thespians’ Toolkit für Kunst- und Kulturvermittler*innen und Pädagog*innen“. Durch die darin enthaltenen vielfältigen Techniken, Methoden, Übungen, Werkzeuge und Empfehlungen stärken wir gleichberechtigte Zugänge für junge Menschen in den darstellenden Künsten. Aufgrund der nachhaltigen und herausragenden Wirkung des Projekts wurden wir mit dem Erasmus+ und ESK Award 2024 ausgezeichnet.

 

Young Thespians‘ Toolkit

Redaktion: Rida Arif Siddiqui
Autorinnen: Anna Gaberscik, Pálína Jónsdóttir, Jessica Marie LoMonaco, Ewa Marcinek, Stella Radovan, Cristina Sandino Rossmann, Rida Arif Siddiqui
Herausgeber: Reykjavík Ensemble / EDUCULT
Gestaltung und Layout: Michael Jung, metaphor.me, Icons HDM aus dem Noun-Projekt

 

Wir möchten unseren tiefsten Dank für alle Beiträge und die tatkräftige Unterstützung auf dem Weg zur Erstellung des Toolkits zum Ausdruck bringen. Das Engagement und der Enthusiasmus österreichischer und isländischer Forscher*innen, Praktiker*innen, Kunst- und Kulturvermittler*innen, Pädagog*innen und Jugendlichen haben diese Veröffentlichung zu dem gemacht, was sie heute ist.

Das Projekt wurde durch das Erasmus+ Programm der Europäischen Union unterstützt.